Kapitalismuskritik (Ex-Vekks)

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Diese Sendereihe bietet Inhalte, die man sonst vergeblich sucht: 1. Auskünfte über die Marktwirtschaft, die nichts mit den besorgten Ratschlägen von Attac oder den Modellen der Nationalökonomie zu tun haben, dafür sehr viel mit dem, was Karl Marx an dieser Ökonomie auszusetzen hatte. 2. Auskünfte über die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, die sich ihre logischen Fehler und ihre Parteilichkeit für die Macht zum Gegenstand machen. 3. Auskünfte über den demokratischen Staat, wo darauf verzichtet wird, der Politik die eigenen Ideale nachzutragen und sich dann darüber zu beschweren, daß die schlechte Wirklichkeit hinter ihren guten Möglichkeiten zurückbliebt. 4. Auskünfte über den Imperialismus und die Konkurrenz der Nationen, die ohne die Beschwörung des Völkerrechts und der Menschenrechte auskommen, und ganz darauf verzichten, die Ereignisse der Welt darauf zu untersuchen, was das denn "für uns" bedeuten könnte. weitere Infos, zu Veranstaltungen oder Publikationen unter:

Episodios

Afghanistan – Kreuzweg der Kulturen und Friedhof der Imperien

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Der Rückzug der „internationalen Staatengemeinschaft“, d.h. des imperialistischen Westens

Der rasante Vormarsch der Taliban hat alle überrascht. Man merkt daran, wie wenig Ahnung die zivilen und militärischen Vertreter des Freien Westens von dem Land hatten, das sie 20 Jahre lang besetzt gehalten haben. Die Arroganz der Kolonialherren paarte sich hier mit den ständig blamierten Weltmachtsphantasien derjenigen Staaten, die sich immer noch für den Nabel der Weltgeschichte halten.

Die menschlichen und materiellen Kosten der Besatzung
Das neue „Great Game“: Wem gehört die Welt?

Die Flüchtlingsfrage. Schubabkommen und Rückführungen
Die Ökonomie Afghanistans, die Landwirtschaft und der Opiumanbau
Die Vermögenswerte Afghanistans – wer eignet sich die an?
Streit um die Fahne: Islamischer Universalismus gegen nationale Grenzen
Das Kriegsgerät, was dort zurückgelassen wurde, ist beachtlich. Wer die in der Sendung zitierte Aufstellung nachlesen möchte, hier ist sie:
https://nestormachno.alanier.at/die-taliban-in-kabul/#comment-42992

Zum Schluß – die „Ortskräfte“, Mitarbeiter bzw. Kollaborateure wollte niemand in großen Mengen aufnehmen, da hätte es seit April genug Möglichkeiten gegeben, die Leute auszufliegen, wenn es dazu politischen Willen gegeben hätte.

Nietzsche – Egoismus contra Altruismus, Teil 2

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Autonomie und Selbst-Überhöhung: Taktiken des demokratischen Untertanen

Nietzsche greift das Knechtsbewußtsein der Moralisten an, indem er sagt: Ihr seid doch Knechte! Seid Freie! Des Komische is: Nietzsche is so unpopulär auch wieder nicht, bei einer moralischen modernen Staatsbürgerschaft. Warum? Weil die andere Seite: Seid Freie! genauso verstanden wird, die heißt: Wollt selber, was ihr wollt! nicht, weils euch auferlegt ist, nicht, weils des Allgemeine ist, nicht, weils dem Andern dient – sondern wollts einfach so, weil Ihrs schätzt, weils Eures is.

Fortsetzung von: Nietzsche, Teil 1

 

 

Nietzsche – Egoismus contra Altruismus, Teil 1

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Techniken des moralischen und religiösen Selbstbetrugs

Kant und Schopenhauer als Vorläufer Nietzsches und die Umgestaltung der Trennung von Moral und Interesse (Kant) in einen unauflösbaren Gegensatz zwischen Leben und Denken – bis hin zur Bewunderung der Säulenheiligen (Schopenhauer).

Von dem scheinbaren Gegensatz von Natur und Geist ausgehend, plädiert Nietzsche dann eben für Natur, und letztlich: Unmoral.

Einiges zu Schlechtigkeiten, Mord und Moral.

Das Zerwürfnis des Moralisten, der zwar sündigt, aber dann wieder beichtet, das störte ihn fürchterlich.

(Der Text des Vortrages ist als Word-Datei angehängt.)

 

Ludwig Wittgenstein, Teil 2

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Wittgenstein und der Wiener Kreis: Gegen die Verhexung des Verstandes durch die Mittel der Sprache

Die Mitglieder des Wiener Kreises haben sich sehr gestritten darüber, wie denn diese Protokollsätze, auf die die ganzen anderen Sätze aufbauen sollen, denn lauten müßten.
Sätze, Bilder, Namen (unmittelbare Urzeichen) – was ist was bei Wittgenstein?

Die Vorstellung Wittgensteins von wissenschaftlichem Denken sieht so aus, daß der Verstand eine Art von Apparatur ist, die in einem fort Fotos macht und die dann in Karteien einordnet.

Nach dem Tractatus meinte Wittgenstein, eigentlich alles gesagt zu haben und ließ die Philosophie bzw. die Wissenschaft für eine Zeitlang bleiben.

Als ihm dann eine Professur in Cambridge angeboten wurde und er die auch annahm, setzte er seine Betrachtungen zu Sprache und Wissenschaft fort.
Wissenschaft dürfe nur beschreiben und keine Hypothesen enthalten. Zweifel sollen ausgeschlossen werden. Gedanken im Sinne von Inhalten, Theorien gelten ihm schon als unwissenschaftlich, weil sie über die reine Abbildung der Wissenschaft hinausgehen.
Damit kehrt er sich sogar von seinen vorherigen Aussassungen ab: Der „Tractatus“ ist noch viel zu theoretisch und damit „hypothetisch“.

Dabei ist die Forderung Wittgensteins, daß die Sprache kritischer zu sein hätte, nicht ganz von der Hand zu weisen. Da liegt ja wirklich einiges im Argen.

Aber beim Wittgensteinschen Ansatz ist die Sprache einfach ein Sammelsurium von Fehlerquellen, die sich gar nicht eliminieren lassen, sodaß sich jegliche Wissenschaftstheorie auf Fehlersuche in der Sprache reduziert – weil man dieses untaugliche Werkzeug des Denkens andererseits auch nicht entbehren kann.
Die wittgensteinsche Sprachkritik ist also ein fortwährender Kampf gegen „die Verhexung des Verstandes durch die Mittel der Sprache“.

Sprache ist letztlich immer etwas Ideelles, etwas Gedachtes – damit kann sie diese unmittelbare Wiedergabe der Wirklichkeit nicht leisten, da sie selbige durch Beigabe von Gedanken sozusagen verunreinigt.

Der Umstand, daß Sprache gedankliche Tätigkeit ist und nicht bloße Widergabe, fällt Wittgenstein nur als Störung, als Unvollkommenheit der Sprache auf.

Die Bedeutung eines Wortes wird so von dessen Inhalt getrennt, und letzterer in die Subjektivität des Sprechers hineinverlegt, wodurch ein Gegensatz geschaffen wird, der wiederum die Sprache zu einem untauglichen Mittel der Abbildung der Wirklichkeit erklärt: Sie kann so die Wirklichkeit ja gar nicht „abbilden“!
Die Sprache wird somit zu einer Ausdrucksform des Subjekts, des Sprechers erklärt, der mit seinen Aussagen die Wirklichkeit nur interpretiert, aber niemals korrekt wiedergeben kann.

Dadurch, daß das Subjekt SICH SELBST beim Sprechen ja nicht aus dem Sprechakt herausnehmen kann, ist also die Sprache als Mittel der Abbildung unbrauchbar.
Aber: Es gibt kein anderes Medium, also gibt es hier einen scheinbar unüberbrückbaren Gegensatz.

Der Versuch, ihn zu überbrücken, sieht so aus: Die Sprache als eine Technik, ein Regelwerk definiert.
Der Wissenschaftler wird zu einer Art Techniker erklärt, der dieses Regelwerk von seinen subjektiven Beifügungen reinigen soll, um sie zu einem brauchbaren Werkzeug der Abbildung der Wirklichkeit zu machen.
Das Erlernen dieser Regeln nennt Wittgenstein dann „Sprachspiel“.
Sprache wird zu einem Regelwerk als eine Art Mensch-Ärgere-dich-nicht-Spiel eingeführt, wo man nur die Regeln lernen und korrekt anwenden muß.

Also geht es als nächstes darum, die Regeln zu entwerfen und gegen Irrtümer sicher zu machen.

Das Problem ist, daß in verschiedenen Sprachen die gleichen Erscheinungen verschiedene Namen haben.
Die Sprachen, als verschiedene, sind also nicht ident, sondern die verschiedenen Bezeichnungen sind „nur“ miteinander „verwandt“.
„Verwandtschaft“ unterstellt jedoch eine Identität, die andererseits gerade ärgerlicherweise nicht besteht, weil die gleichen Dinge in verschiedenen Sprachen unterschiedlich bezeichnet werden.

Die Sprache wird also von Wittgenstein zu einem immer untauglicheren Mittel der Abbildung der Wirklichkeit erklärt: Nicht nur, daß sie für sich dem Anspruch, ein Abbild der Wirklichkeit zu liefern, nicht genügt, sondern es gibt auch noch dazu eine Unzahl von Sprachen, alle mit der gleichen Unzulänglichkeit.

Die ganze Theorie des logischen Urteils im klassischen Sinn (von den Griechen bis Kant und Hegel) – Identitäten und Unterschiede werden hier festgehalten – ist Wittgenstein fremd.
Die Identität wird durchgestrichen, es bleibt nur die Ungewißheit, was da überhaupt bestimmt wird.

In seiner Spätphase meint Wittgenstein – im Sinne seiner Auffassung der Welt sehr konsequent – das Beste sei, nicht zu denken. Es kommt eh nix dabei heraus.

Man sollte mit der Welt keine Probleme haben, meinte Wittgenstein. Klarheit über die Welt, das war sein Anliegen. Wenn das nicht möglich ist, so ist das Nachdenken überflüssig, weil es führt zu nix.
Selbst wenn man einen richtigen und wichtigen Gedanken hätte, so kann man ihn nicht ausdrücken, weil die Sprache mangelhaft ist. „Meinen“ und „Sagen“ klafft auseinander.

So daß er am Schluß zu dem eigentlich für einen Denker vernichtenden Standpunkt kommt, man könne sich eigentlich nur auf den lieben Gott verlassen, alles andere Denken und Sprechen – ist vom Standpunkt des Wissens, der „Gewißheit“, sowieso zum Scheitern verurteilt.

Das Lob, er sei einer der wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts gewesen, ist zwar fragwürdig, kann aber auch genau diese Leistung würdigen, daß jemand sich soviel Mühe gemacht hat, um am Schluß erst wieder zu der Aussage zu kommen: Ich weiß, daß ich nix weiß.

Fortsetzung von Ludwig Wittgenstein, Teil 1

Ludwig Wittgenstein, Teil 1

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Gegen die Verhexung des Verstandes durch die Mittel der Sprache

So Urteile wie: „Ludwig Wittgenstein ist unbestritten einer der faszinierendsten Denker des 20. Jahrhunderts“ sind gang und gäbe.
Seine Beschäftigung mit Philosophie war jedoch die eines Außenstehenden: Er hielt philosophische Probleme für eine Art Geistesverwirrung, brachte es aber nicht zum Philosophiekritiker. Er hat einfach nicht verstehen wollen, worum es da geht, und es hat ihn auch nicht interessiert, warum sich Philosophen in nicht endenwollende Schwierigkeiten verstricken.

Sprache als „Abbildung“ von Gedanken – Hieroglyphen, Buchstabenschrift und Milchwirtschaftsfond: Die bildliche Darstellung ist angesichts abstrakter Begriffe unzureichend und schwerfällig.
Ist es überhaupt eine richtige Bestimmung der Sprache und Schrift, sie als Abbildung zu bezeichnen?

Der Versuch, dem Denken eine Grenze zu setzen, bleibt der Widerspruch per se von Wittgenstein, weil diese Grenze darf nicht gedacht sein, sonst wäre sie ja wertlos.

Das Ideal Wittgensteins und seiner Anhänger war, die Sprache zu einem Werkzeug zu gestalten, einem Kriterium der Wahrheit, die im Grunde Denken überflüssig macht. Sie soll für sich die Richtigkeit des Gedachten garantieren, ohne das Risiko des Irrtums.

Exkurs in das, was heute unter „formale Logik“ läuft: Da wird nämlich ein Verfahren gelehrt, das diesem Ideal anhängt.

Wittgenstein stört sich an den Zweideutigkeiten der Umgangssprache. Beispiele.
Das ist für ihn ein Beleg, daß die Sprache, zumindest die wissenschaftliche, reformiert gehört.
Also möchte er eine Normsprache schaffen, die das Denken unnötig macht und die Irrtümer ausschließt.
(An dieser Stelle dachte sein Anhänger Neurath weiter und schuf die Piktogramme.)
Der Widerspruch kommt auf eine neue Stufe, wenn Elementarsätze die Basis für andere Sätze schaffen sollen, obwohl in den Elementarsätzen schon alles gesagt sein soll – wofür braucht es dann weitere Sätze?
Die Annahme aller „Tatsachen“ als „a priori“ erklärt die Kausalität zu einem Abglauben und lehnt Folgerungen ab.

Wenn alle Sätze der Logik dasselbe sagen, warum braucht es dann mehr als einen Satz?

Exkurs zur formalen Logik und den Tautologien:

Der Unsinn sogenannter „analytischer“ Sätze ohne Erkenntnisgewinn: Sie sollen gerade für gesicherte Erkenntnis stehen.

Dabei sagen Tautologien nicht „nichts“ aus: Sie sagen über den Gegenstand aus, DASS ES IHN GIBT, sind also eine Art Existenz-Feststellungen.
Die Tautologie ist aber auch ein Widerspruch in sich.
Denn jedes Urteil besteht aus: Subjekt – ist – Prädikat. X = Y.
Bei Tautologien sind Subjekt und Prädikat, X und Y identisch – das Urteil führt sich sozusagen ad absurdum.
Die Begründung aus dem sich zu Begründenden ist ein Schein, eine Art logischer Trick.
Das ist ein elementares Element bürgerlicher Wissenschaft, die die Existenz einer Sache für ihre Rechtfertigung verwendet: X gibt es, also muß es gut sein!

Das leitet über zum Wiener Kreis, zu Anhängern Wittgensteins, die seine Gedanken weiterentwickeln wollten. Zu erwähnen sind Schlick, Neurath, Carnap, – in den Anfangszeiten sogar Popper.

Moritz Schlick
https://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_Schlick

Rudolf Carnap
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Carnap

Otto Neurath
https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Neurath

Karl Popper
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Popper

Fortsetzung: Ludwig Wittgenstein, Teil 2

4. UND LETZTER TEIL DES GESPRÄCHS MIT MAX ZIRNGAST VOM MÄRZ 2020

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Zum Zeitpunkt des Interviews im März stand die teilweise Rückeroberung von Idlib an. Was meint Max dazu?

Die dortigen Dschihadisten – wer will die? Niemand, auch die Türkei nicht. (Inzwischen werden die teilweise in Libyen eingesetzt.)
Krieg nach außen zur Stabilisierung der Front nach innen. Auch die Türkei setzt auf diese Masche.
Aber in Idlib dürfte das an sein Ende gekommen sein – der Anfang März geschlossene Waffenstillstand war eindeutig eine Niederlage für die Türkei.
Die Begeisterung der türkischen Bevölkerung für die Idlib-Intervention der Türkei hielt sich laut Umfragen in Grenzen.
Auch aus Militärkreisen kam Kritik.
Die säkulären Militärs und auch Bürger haben ein Problem mit den Dschihadisten.

Welche Soldaten werden eigentlich nach Syrien geschickt? Rekruten? Freiwillige?

Obwohl es genug speziell ausgebildete Sondereinheiten für Kriegseinsätze gibt, waren unter den türkischen Opfern in Idlib arabisch-alevitische Rekruten aus Hatay, was die Angelegenheit noch weitaus heikliger für die türkische Führung macht.

Auch das Auftreten im Fernsehen und gegenüber Rußland zeigt, daß die Türkei hier klar den Bogen überspannt hat.
Rückblick auf die Verträge von Lausanne (1923) und Montreux (1936), wobei letzterer immer wieder sehr aktuell ist, weil er die Politik der USA und NATO im Schwarzen Meer behindert.

Der Vertrag von Montreux bezieht sich nur auf den Bosporus. Der neue Parallelkanal, der von der Türkei geplant wird, wäre wieder gegenstand von internationalen Verträgen – sofern überhaupt etwas daraus wird – weil damit die Frage des Zugangs zum Schwarzen Meer neu aufgerollt werden müßte.

CORONAVIRUS-Serie Teil 3 – Über die Altersheime, das Gesundheitswesen und den Medikamentengebrauch

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Noch einiges zu Schwedens Besonderheit im Umgang mit dem Coronavirus – nicht allzu anziehend.

Die Altersheime – was sind das eigentlich für Stätten, in denen das Virus so zuschlägt?
Über das Alter und den Umgang damit.
Unverständnis zwischen den Generationen.
Übermedikamentation in allen Lebenslagen, besonders in der Altenpflege.
Und das bei inzwischen ziemlich nach Fernost ausgelagerter Medikamenteproduktion, sodaß dann nix da ist, wenn es plötzlich in größeren Mengen gebraucht wird. Lagerbestände sind ja auch pfui, weil zu teuer!

Exkurs zur allgemeinen Übermedikamentation, die nicht in allen Staaten der EU gleichermaßen üblich ist.

Einerseits Corona-Dissidenten, die sagen: Alles gar nicht schlimm, Übertreibung, Fake, das Coronavirus ist harmlos – auf der anderen Seite werden Pulverln geschluckt wie wild.

Die Gründe für Medikamente-Lawinen: Abschieben von Verantwortung

Verantwortung und Maskenpflicht – da wurde sich von den Behörden einerseits widersprochen, andererseits übertrieben.

Was man den Statistiken entnehmen kann, und was für Fragen noch offen sind.

Altersheime, Kreuzfahrschiffe, Krankenhäuser – in sich geschlossene Systeme, wo sich Keime gut verbreiten können.
Der Hospitalismus (Sterben im Krankenhaus, an einer anderen Krankheit als mit der man eingeliefert wurde,) war bereits vor Corona eine sehr verbreitete Todesursache.

Obwohl jetzt alles im Griff zu sein scheint, ist das Virus nicht weg, ganz im Gegenteil, und die Bedingungen seiner Verbreitung sind nach wie vor da.

Zur Zukunft: Das Coronavirus ist nicht vorbei, wir wissen nicht, was es noch vorhat. Die Globalisierung, die Mobilität und der Tourismus begünstigen die Ausbreitung von Infektionen.

siehe die vorherigen Sendungen:

ÜBERLEGUNGEN ZUM CORONAVIRUS 1 – Gesundheit und Gesellschaft

CORONAVIRUS-Serie Teil 2: Über verschiedene Ansteckungs-Verläufe

 

CORONAVIRUS-Serie Teil 2: Über verschiedene Ansteckungs-Verläufe

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Weiterer Rundblick zum Umgang mit dem Virus

Ländervergleiche in der EU: Portugal – Ungarn

In Portugal wurde am 18. März der Ausnahmezustand ausgerufen – das erste Mal seit der Nelkenrevolution 1974 und war bis Anfang Mai in Kraft. Auf dieser Grundlage wurden Ausgangssperren verhängt, die Maskenpflicht erlassen und Großveranstaltungen verboten bzw. eingeschränkt.

Exkurs: Verfassungen und Ausnahmegesetze
Die heute gültige portugiesische Verfassung von 1976 enthält einen solchen Paragraphen, ebenso wie die österreichische oder die deutsche, oder die französische. In Deutschland wurden die Notstandsgesetze in den 50-er Jahren dem Grundgesetz hinzugefügt. In Frankreich war die Regierung De Gaulle angesichts der Unruhen im Mai 1968 kurz davor, den Ausnahmezustand auszurufen.
Jede normale demokratische Verfassung hat einen solchen Notstandsparagraphen für den Fall, daß der Staat in Gefahr gerät. So einen Fall entscheiden dann die Regierenden ganz souverän.
Ungarn hat in seiner Verfassung von 2012, mit der die Regierung von Viktor Orbán diejenige von 1949 ersetzte, keinen Notstandsparagraphen eingebaut. Er wollte damit eine Art Unrechts-Verfassung ersetzen (die Verfassung von 1949 wurde natürlich nach dem Systemwechsel in den 90-er Jahren modifiziert, aber eben nicht aufgehoben,) da hätte so ein Ausnahmezustand vermutlich eine schiefe Optik gehabt.
Deswegen mußte sich die ungarische Regierung vom Parlament eine Art Sondervollmacht genehmigen lassen, um ihre Coronavirus-Maßnahmen in Kraft setzen zu können. Das war bei aller Kritik im In- und Ausland zwar völlig verfassungskonform, aber Portugal hat das gleiche Verfahren eben viel eleganter handhaben können.
Sozialistische Verfassungen kannten keine Notstandsparagraphen, weil das mit ihrem politischen Selbstverständnis unvereinbar war: Sie sahen sich als Vollstrecker des Volkswillens, über den sie sich nicht hinwegsetzen konnten. (Deshalb mußte Jaruzelski 1981 in Polen das KRIEGSRECHT verhängen, als er den Ausnahmezustand einführte.)

Ursachenforschung: Ansteckungswege verfolgen – Südostasien und Europa gehen da verschiedene Wege. Warum?
Einiges zu der Debatte um die Tracking-App.
Erstens braucht man dazu das entsprechende Gerät. Es hat ja bei uns nicht jeder ein Smartphone.
Einiges über Smartphones, die als Selbstverständlichkeit gehandhabt werden: Entweder sie haben eines oder sie brauchen eines!
Vielleicht will jemand so etwas gar nicht, und dann gibts auch kein Tracking-App.

Zweitens wird man sowieso überwacht, da soll man sich keine Illusionen machen. Man merkt das bei Kriminalfällen, daß alle Handykontakte und Aufenthaltsorte eines Handybesitzers nachverfolgbar sind.

Außerdem ist es nicht das Tracking-App gewesen, oder zu einem kleinen Teil, warum in China z.B. eine 10-Millionen-Stadt wie Wuhan so einfach abgeriegelt werden konnte. Es gibt dort ein anderes soziales Netz, Nachbarschaftskomittees, die sich um alle im Bezirk kümmern und die Versorgung übernommen haben, und auch das chinesische Internet kennt bedeutend mehr Interaktion auf sozialer Ebene.

Infektions-Hot-Spots: Wuhan – Bergamo – Ischgl – Ovar

Wuhan: Eine sehr bedeutende Stadt im Zentrum Chinas, mit viel Wasser und viel Smog. Vor Corona kannte die Stadt hierzulande kaum jemand.
– In China gibt es mehr Wissen über die Geographie Europas, während hier kaum wer eine Ahnung von derjenigen Chinas hat. –

Bergamo: Fußballspiel der Champions League am 19. Februar, Flughäfen, Smog als Verbreitungs-Katalysatoren. Zur Poebene selbst verweise ich auf die vorhergehende Sendung.

Ischgl: Der Wintertourismus, die Events, die Spektakel als volkswirtschaftliche Größe. Masse versus Qualität? Ist das die richtige Sichtweise?
Weil eigentlich werden die Leute ärmer, die Urlaube kürzer und das Kompensationsbedürfnis höher. Die Gastronomie und die Übernachtungsbetriebe passen sich dem nur an.

Ovar (55.400 Einwohner, Nordportugal): Hierher scheint das Virus über den Fußballtourismus gekommen zu sein. Oder über Pendler aus der Industrie- und Hafenstadt Porto.
Fußball – Brot und Spiele – auch ein Verbreitungsmodus für das CV.
Am 12. März wurden die ersten 2 Fälle festgestellt, und in Folge beim örtlichen Fußballklub und in der lokalen Krankenstation, worauf der ganze Ort unter Quarantäne gestellt wurde. Am 1. April meldete Ovar 277 Infizierte und 13 Tote, darunter auch ein 14-jähriger. In Ovar haben sich bis heute über 600 Personen infiziert.

Obwohl Portugal mehr Tests macht als irgendein anderes mir bekanntes Land dieser Größenordnung – bisher fast eine Million – und auch Verdachtsfälle in Evidenz hält, hat es eine mehr als doppelt so hohe Infektions- und Todesrate wie Österreich und kann derzeit noch kein grünes Licht für Grenzöffnungen geben.
Noch einiges zur Lage in Portugal.

Das Gwirxt mit den Tests und Test-Kits
Es gibt 3 Arten von Tests:
Schnelltests – sehr unverläßlich
PCR-Tests – verläßlich, aber rar und teuer
Antikörper-Tests

Man weiß nicht, in welchen Ländern mit welchen Tests getestet wird. Daher sind die Zahlen fraglich. Die Lage in Rußland.
Die Idee der lokalen Studien – wofür eigentlich? Sie sind Ausweis der behördlichen und medizinischen Ratlosigkeit.
Ansteckungsmöglichkeiten, „Cluster“, die Demos in den USA und ihre Folgen.

Einiges zu Zahlen und Statistiken – was sagen sie aus, was sind die Mängel der Coronavirus-Statistiken? (und nicht nur derer …)
Die Ermittlung der „Übersterblichkeit“ zur Vermeidung falsch angezeigter Coronavirus-Toter.
Einiges zu den Behauptungen und Beschwerden, die Statistiken täten falsche Corona-Tote ausweisen und deswegen sei das alles sowieso eine Fälschung.
Woran sterben Menschen? Die Todesursachen werden sowieso immer recht oberflächlich festgestellt, meist ohne Autopsie – alles schon lange vor dem Coronavirus. Autopsien sind teuer, und es interessiert ohnehin niemand, woran Menschen in unserer Gesellschaft sterben. Letztlich ist es meistens Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall – aber was dem alles vorausgegangen ist, interessiert die Medizin nicht.

Eigentlich wirft das Coronavirus auch hier eine Art Scheinwerfer auf unsere Gesellschaft: Woran die Menschen sterben, interessiert das staatliche Gesundheitswesen, die Medien und die Statistiker nicht.
Generell werden Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen als häufigste Todesarten in unseren Breiten angeführt. Was dem aber alles an körperlichen und psychischen Erkrankungen vorangegangen ist, ist allen Institutionen völlig gleichgültig. Auch der Selbstmord als Todesursache ist nirgends mehr Thema. Es gibt eine institutionelle und auch intellektuelle Gleichgültigkeit gegenüber dem, woran hier und heute Menschen sterben, die beachtlich und beunruhigend ist.

Schweden – was ist an dem Modell so bewundernswert? Schweden zeigt dem Coronavirus die kalte Schulter – die Folgen werden wir alle sehen.
Die Idee der „Herdenimmunität“ – ein Schmarrn, wenn es nicht einmal eine Immunität gibt.
Außerdem weiß man beim Coronavirus nicht, was es für Folgen hat – also auch, die, die es überleben, können an dadurch verursachten anderen Krankheiten zugrunde gehen. Auch die Möglichkeit von Unfruchtbarkeit ist in Betracht zu ziehen.
Die schwedische Vorgangsweise ist sehr rücksichtslos und auch leichtsinning gegenüber möglicher Ausbreitung in Schweden selbst und in den Nachbarländern.

Fortsetzung von

ÜBERLEGUNGEN ZUM CORONAVIRUS 1 – Gesundheit und Gesellschaft

ÜBERLEGUNGEN ZUM CORONAVIRUS 1 – Gesundheit und Gesellschaft

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Über den unterschiedlichen Verlauf der Krankheit in verschiedenen Ländern

Was wissen wir über das Virus und seine Gefährlichkeit (herzlich wenig!)

Manche Personen sind ansteckender als andere und erweisen sich als „Superspreader“
Nicht alle Infizierten erkranken – „Asymptomatische“ – können aber andere anstecken.
Deshalb haben die Masken schon ihre Wirkung, auch wenn die Maskenpflicht inzwischen aufgehoben ist.

Eine überstandene Infektion führt nicht unbedingt zu Immunität. Erstens führt die bloße Ansteckung nicht zur Immunität, zweitens weiß man nicht – auch weil das Virus eine relativ neue Erscheinung ist – wie lang eine solche Immunität hält.
Deshalb sind die Tests relativ nutzlos und dafür aber recht aufwendig und teuer. Sie stellen, selbst wenn sie verläßlich sind, nur eine Momentaufnahme dar.

Die anfängliche Hoffnung, daß Babies, Kinder oder jüngere Menschen vor der Infektion/Erkrankung sicher seien, hat sich auch als irrige Ansicht erwiesen, sodaß sich niemand sicher fühlen kann.

Es gab auch die Ansicht, wer ein gutes Immunsystem habe, sei sicher – aber wer hat das schon? Die meisten Menschen essen ungesundes Essen, leben in Wohnungen schädlichen Materialen, atmen schlechte Luft ein und haben deshalb kein so tolles Immunsystem. Das ist natürlich auch vom Wohnort abhängig.

Der Verlauf der Krankheit hängt von der Intensität der Erreger ab. Deshalb gab es auch viele Tote unter dem medizinischen Personal, in Italien, Spanien und New York. Die mußten sich mit Regenmänteln behelfen, Schibrillen, weil keine Schutzausrüstung da war.

Verschiedene Umweltfaktoren vergrößern das Ansteckungsrisiko – städtisches Umfeld, Smog – und auch die Altersheime verdienen einer besonderen Analyse: Warum sterben gerade dort so viele Leute?

Keine Altersstufe ist sicher – bei jüngeren Leuten oder Kindern kommt es manchmal zu multiplem Organversagen, entweder durch einen Immunschock oder durch den Mangel an Sauerstoff. Genau ist das noch nicht geklärt. Auch Herzinfarkte und Schlaganfälle können die Folge sein.

Die Corona-Partys – inwiefern haben die geschadet? Wie geht man um mit Leuten, die leichtfertig sich und andere gefährden?

Das Treffen der EU-Gesundheitskommission Mitte Februar, wo alle abwiegelten – wird schon alles nicht so schlimm sein! Tests nur für Leute aus Wuhan, das wird reichen.
Kostet sonst zu viel! (Artikel aus El País im Mai)

Ländervergleiche in der EU: Italien – Österreich

Warum Italien?

Italien war das Einfallstor des CV in Europa. Wie genau das Virus nach Italien kam, ist unbekannt. 3 verschiedene Orte der Erstdiagnose: Vo’o, Codogno, Rom. Zu dem Zeitpunkt war bereits das entscheidende Fußballspiel über die Bühne gegangen, das sich als Virus-Springbrunnen erwiesen hat => Bergamo.
Daß es durch chinesische Textilarbeiter oder sonst in Fabriken beschäftigte chinesische Arbeiter eingeschleppt worden ist, kann auf Grundlage der bisher bekannten Ansteckungsverläufe ausgeschlossen werden.
Andere mögliche Ansteckungsherde wie der Karneval in Venedig kommen überhaupt nicht zur Sprache – Verschwiegenheit, um bestimmte Events nicht zu gefährden?

Zur weiteren Ursachenforschung kommt im Ländervergleich dazu: Industrie, Tourismus und Luftverschmutzung sind die Gründe, warum die reicheren Regionen Italiens viel stärker betroffen waren als der Mezzogiorno.

Die CORONADISSIDENTEN (= die Leute, die glauben, alles eine Erfindung, das Virus gibts gar nicht) verweisen auf frühere Grippewellen, über deren Verlauf wir aber noch viel weniger wissen als über die Coronavirus-Erkrankung.

Die Altersstruktur und die Risikogruppen – warum ist Italien so überaltert? Die Veränderung der Familienstruktur nach der Aufhebung der Scala mobile – geringste Geburtenrate Europas.

Aber letztlich – das gilt besonders für den Süden, wo die Alten zwar bleiben, aber die Jungen wegziehen, und dort gab es aber wenig Corona-Infektionen und auch Coronatote, obwohl auch das Gesundheitswesen dort schlechter ausgestattet ist.

Das Gesundheitswesen Italiens wurde zwar gesundgeschrumpft-krankgespart, also die Kapazitäten im Rahmen diverser Sparprogramme eingeschränkt. Das hat zwar Bedeutung für die Handhabung der Erkrankungen, aber nur in geringem Maße für das Ausmaß der Infektion.

Österreich hat zwar halb Europa angesteckt, ist aber gerade dadurch früh genug auf die Gefahr aufmerksam geworden.
Ischgl und seine Gaudi-Apres-Ski-Kultur werfen auch ein bezeichnendes Lich darauf, wie unsere Urlaubs- und Unterhaltungskultur inzwischen verläuft. Vielleicht gibt es jetzt ein bißl eine Besinnung, daß man nicht jeden Blödsinn gut finden muß, nur weil er Geld in die Kassen spült.

Also durch den ganzen Zirkus und die Beschwerden aus dem Ausland wurde die österreichische Regierung mehr oder weniger dazu getrieben, zu agieren.
Man muß den Ischgler Lokalpolitikern und den Tiroler Behörden dankbar sein für ihre konfuse Handhabung der Sache, so ging vergleichsweise schnell etwas weiter und Österreich ist heute in Sachen Ansteckungen und Tote ein Musterland.

Vertuschen wollten übrigens am Anfang alle – in Wuhan genauso wie in der EU überhaupt oder in Ischgl.
Für eine Quarantäne gab es keine Evakuierungs-Infrastruktur – nicht nur in Ischgl nicht.
Kuba kann da mehr, ist für Katastrophen gerüstet, wie die Geschichte mit dem Kreuzfahrtschiff MS Braemar zeigt, das erst in Kuba anlegen durfte, nachdem es überall anders abgewiesen worden war.

In Spanien erwiesen sich die 8-März-Frauentags-Demos als großer Infektionsherd.

In die Schweiz kam das Virus, soviel man weiß, vor allem über die Pendler aus Frankreich und Italien. Außerdem hat die Schweiz überhaupt keine Vorsorge getroffen – siehe die Artikel von Paul Robert Vogt
https://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zuk%C3%BCnftigen-politischen-entscheidungen/
https://www.mittellaendische.ch/2020/04/20/covid-19-update-von-prof-paul-r-vogt/#gsc.tab=0
und überläßt die Bewältigung und Erfassung der Krankheit bis heute mehrheitlich den Kantonsbehörden, obwohl es eine eigene Pandemie-Kommission des Parlaments gäbe (oder gab, vielleicht wird die inzwischen wegen Untätigkeit aufgelöst).

Auch interessant, daß die Produktion von Schutzausrüstungen und Desinfektionsmitteln inzwischen nach Fernost verlagert wurde und hier nix da war. Angesichts der ganzen Feindbildpflege gegen Rußland ist dieser Umstand sehr bezeichnend, weil ernsthaft wird offensichtlich mit einem Angriff nicht gerechnet.

Fortsetzung folgt: Portugal u.a.

 

Die Türkei – Gespräch mit Max Zirngast, Teil 3

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Der Völkermord an den Armeniern, Nordzypern und der Konflikt in Syrien

Der Vorsatz, der zum Nachweis des Genozids nötig ist, könnte nachgewiesen werden. In den turbulenten Jahren um die Gründung der heutigen Türkei war der Massenmord an den Armeniern auch Gegenstand von Gerichtsverfahren, die Schuldigen – Cemal, Talaat und Enver – wurden genannt und sogar Atatürk hat ihn als Verbrechen und „Schandfleck“ der neueren Geschichte anerkannt.

Aber mit der Vertreibung und Ermordung der Armenier – und auch der Griechen – entstand die neue Elite der Türkei, es fand eine Art ursprüngliche Akkumulation statt. Auf Grundlage geraubten Grundes und Geldes entstand die türkische Bourgeoisie, und deswegen ist die Armenierfrage so heikel: Sie rührt an die ganze Eigentumsverteilung der heutigen Türkei.

Geringste Zugeständnisse in Sachen Genozid könnten deshalb heute die großen Vermögen der Türkei gefährden, weil sie Schadenersatzforderungen ermöglichen würden. Das Genozid als ein Tatbestand der „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verjährt nämlich nie und kann immer vor jedem Gericht der Welt eingeklagt werden.
Grundstücke, Häuser in Istanbul stehen leer, weil sie keinen Eigentümer haben. Dadurch kann sie auch niemand kaufen.

Über Genozide im Allgemeinen, im Zuge der Kolonialisierung – die Türkei ist ja da beileibe keine Ausnahme. Gerade die alten Kolonialmächte, die mit Genoziden groß geworden sind, zeigen mit großem moralischen Zeigefinger auf die Türkei wegen der Armenier – wohl um von ihren eigenen Grundlagen abzulenken.

ZYPERN
Vorgeschichte des Zypern-Konflikts:

Die „Megali Idea“ (Große Idee) von Venizelos – die Wiedererrichtung des Byzantinischen Reiches und die damit verbundene Idee der „Enosis“, des stückweisen Anschlusses aller einst byzantinischen Gebiete – sie führte zur Vertreibung der Griechen aus Anatolien und bescherte Europa die erste Flüchtlingstragödie des 20. Jahrhunderts.

Dann kam das (von den USA und auch den europäischen Demokratien unterstützte) Obristen-Regime in Griechenland,
https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Milit%C3%A4rdiktatur
das Zypern anschließen wollte und mit Unterstützung der USA den sowjetfreundlichen zypriotischen Präsidenten Makarios
https://de.wikipedia.org/wiki/Makarios_III.
stürzte, was zur Intervention der Türkei in Zypern (und in Folge auch zum Sturz der griechischen Militärdiktatur) führte.

Seither ist Zypern geteilt, und es ist bemerkenswert, daß die Teilung Zyperns kein Hindernis war für die Aufnahme Zyperns in die EU. (Die Finanzkrise Zyperns 2013 betraf nur die Griechisch-Zyprioten.)
Die Türkei betrachtet Nordzypern als ihr Staatsgebiet.
Die Universitäten Nordzyperns gehören zum türkischen Universitätssystem. (Es gibt mehr als 10 staatliche und private Universitäten in Nordzypern, in Lefkoşa (Nikosia Nord), Girne/Kerinia, Lefke und Famagusta.)
Die Teilung Zyperns wird mehr von außen aufrechterhalten als von innen gewollt.
Der Präsident Mustafa Akıncı ist ein ausgesprochener Kritiker der türkischen Politik in Syrien, und führt Gespräche mit dem Präsidenten der Republik Zypern, Anastasiadis. Er bezeichnet die Politik der Türkei gegenüber Nordzypern als Kolonisierung.
Erdoğan hat keine Freude mit diesem Lokalpolitiker.

Zypern ist eine Art Faustpfand, oder Miniatur des griechisch-türkischen Konfliktes.
Zypern war damals – 1994, als es beitrat – für die EU interessant, weil es ein wichtiger Bankplatz für Petrodollars war und das zypriotische Pfund eine Hartwährung.
Heute schaut das alles anders aus.
Die Teilung Zyperns ist also nicht nur als Unterpunkt des Konfliktes Griechenland-Türkei, sondern auch als Abgrenzung zum Sanierungsfall der EU zu betrachten.
Die türkischen Nationalisten betrachten Zypern als türkisch – es gehörte mehr als 2 Jahrhunderte zum Osmanischen Reich – und die zypriotischen Türken und Griechen wissen das, deswegen auch der Protest gegen den Einmarsch in Syrien. Er wird zu Recht als das Geltendmachen eines Anspruchs verstanden, der gegenüber Zypern auch besteht.

DER SYRIENKONFLIKT
2011 war die Türkei im Inneren konsolidiert: Durch das Referendum und den Ergenekon-Prozeß wurde die Opposition mehr oder weniger pulverisiert. So gerüstet schickte sich die AKP an, die neuen nordafrikanischen und arabischen Protestbewegungen für sich auszunützen, um ihren Einfluß zu erweitern.
In der Tradition von Menderes und Özal sah Erdoğan seine Stunde gekommen, um den „Arabischen Frühling“ für die Türkei zu einem Aufbruch zu neuen Ufern zu nützen. Einflußnahme, Abhängigkeiten, befreundete muslimische Regierungen, Grenzrevisionen – alles schien möglich.

Als dann die Kurden in Nordsyrien militärische Erfolge erzielten und Unterstützung von den USA erhielten, brachte das das labile Gleichgericht im Südosten der Türkei zum Kippen. Die PKK-Guerilla erstarkte durch Hilfe aus Syrien und kontrollierte gar nicht so wenig türkisches Gebiet.
Die damalige Strategie der PKK/YPG war – so um 2012 –, sich in der Türkei politisch mit der Regierung zu einigen, um militärische Kräfte zum Aufbau eigener Machtstrukturen in Syrien freizubekommen.

Als die türkische Regierung dann mit dem IS packelte, damit der Rojava fertigmacht, kam es zu einem Volksaufstand in der Türkei, weil die Grenze geöffnet werden sollte – rund um die Schlacht um Kobane Ende 2014.
Damals kamen Peshmergas aus dem Irak – über türkisches Staatsgebiet – den Kämpfern in Kobane zu Hilfe, was Verhandlungen in mehrere Richtungen erforderlich machte.
Von Seite der Türkei war das ein Versuch, die PKK zu schwächen, indem die bekannt pkk-feindlichen irakischen Kurden eingesetzt wurden – das hat aber nicht funktioniert, sondern eher die beiden kurdischen Fraktionen einander nähergebracht.

Türkisch-syrische PKK und irakische Barzani-Anhänger schätzen einander nicht besonders – es geht um die Frage, ob man einen eigenen Staat einrichten, oder in bestehenden Staaten Autonomie erreichen will. (Es geht natürlich im weiteren auch darum, wer in einem möglichen kurdischen Staat die erste Geige spielen dürfte, und wie dieser Staat aufgebaut sein sollte.)

Der Einmarsch der türkischen Truppen in Afrin 2018 war ein Schritt, um das Entstehen einer kurdisch dominierten territorialen Einheit im Süden der Türkei zu unterbinden und im Inneren die Entschlossenheit der Wahrung der nationalen Einheit zu bekräftigen – um sich gegenüber Putschisten und Kurden als starkes Gewaltmonopol zu präsentieren.
Dieser Einmarsch hatte den Segen Rußlands, das damals den Luftraum über Syrien – und damit auch Afrin – kontrollierte.
Warum?
Max meint: Um die Kurden daran zu erinnern, daß sie zu Syrien gehören, daß die syrische Regierung und Rußland ihre Schutzmächte und Zuständigen sind – und nicht die USA.

Das Wesentliche ist immer die Lufthoheit: Die USA haben sich diesbezüglich zurückgezogen und damit liegt es an Rußland, was dem türkischen Militär erlaubt, und was verboten ist.

Rußland hat immer klargestellt, daß es Syrien in den Grenzen von 2010 wiederherstellen will, in diesen Rahmen fällt auch die teilweise Eroberung von Idlib, wo sich die letzte Bastion der Anti-Assad-Dschihadisten befindet.
Die Türkei wirft Rußland vor, damit das Sotschi-Abkommen verletzt zu haben.
Dort wurde allerdings die Entmilitarisierung von Idlib vereinbart, was die Türkei nicht gemacht hat. Das wäre auch unmöglich, weil die dortigen Dschihadisten würden dem nie zustimmen, und die Türkei will und kann sie nicht dazu nötigen.
——

Der letzte Teil des Interviews – ca. 15 Minuten zur Syrien-Politik der Türkei und ihrer Stellung in der Weltpolitik – wird irgendwann im Sommer gesendet.

Die Türkei – Gespräch mit Max Zirngast, Teil 2

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Die Parteienkonkurrenz der Türkei, die Kurden und die Debatte um den Völkermord an den Armeniern, das Aghet

Das türkische Wahlrecht, die Kurden und das Parlament
Koalition nach Gezi-Park-Protesten am Ende
Viele ehemalige Getreue Erdoğans haben die Regierung verlassen.
Die AKP ist gespalten, aber die CHP ist auch uneinig.
Die CHP heute: integrative Partei für Linke, die sie mit Seufzer als kleineres Übel doch immer wieder wählen. Partei der Aleviten.

Die MHP wurde als rechter Schlägertrupp gegen die Linken, die Vertreter der Studentenbewegung, mit Hilfe der USA 1969 gegründet. Sie ist türkisch-nationalistisch, russenfeindlich und USA-freundlich, sie wurde aus der „idealistischen Jugend“ zu einer Partei.

Ein weiterer Unterschied zur CHP, deren extrem nationalistischer Flügel prorussisch („eurasisch“) und in hohen Geheimdienstpositionen war/ist. Inzwischen hat sich ein Teil abgespalten und die Partei „Vatan“ (=Vaterland) gegründet.
Kurzportrait Doğu Perinçek und Alparslan Türkeş – Antagonisten des türkischen politischen Spektrums

Die MHP und die „Grauen Wölfe“, die in der Türkei eher die „idealistische Herde“ heißen. (Die „Jugend“ ist inzwischen in die Jahre gekommen.)
Der Wolf ist ein Totemtier der Ur-Türken, und wird von den MHP-Faschisten sehr verehrt.

Die Gezi-Park Proteste 2013 änderten das politische Gefüge der Türkei, die Hizmet-Bewegung Gülens distanzierte sich von der AKP, hoffte auf deren Sturz – Irrtum! Aber das Klima war vergiftet.

2013 begann also das Zerwürfnis zwischen Gülens Anhängern und der AKP.

Es war ein gülenistischer Staatsanwalt, Özcan Şişman, der dann die Waffenlieferungen der Türkei an syrische Rebellengruppen auffliegen hat lassen und die diesbezügliche Info der Zeitung Cumhuriyet zugespielt hat. Ein anderer gülenistischer Ankäger, Zekeriya Öz, ist inzwischen nach Deutschland geflüchtet.
Einflußlos, aber ein populäres Aushängerschild der Gülen-Bewegung war der Fußballer Hakan Şükür, der inzwischen in die USA abgehaut ist.
In den USA, GB und Deutschland finden die emigrierten Gülenisten gute Aufnahme und werden als Karte gegen Erdoğan, die AKP gehandelt, als Garanten von NATO-Treue der Türkei.

Aus diesem Anlaß ein Rückblick zum NATO-Putsch 1980. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu dem von 2016.
Putsche sind schwieriger in Zeiten von Privatsendern und Internet – das Meinungsmonopol läßt sich nicht mehr herstellen.

Die Kemalisten aus dem Militär, die in dem offenbar geschobenen „Ergenekon“-Verfahren vor Gericht gestanden sind, wurden plötzlich 2014 freigelassen, und dann der ganze Prozeß vom obersten Gerichtshof gekippt.

2 Blöcke von Parteien stehen sich gegenüber: Zu MHP und AKP gesellt sich noch die „Gute Partei“, eine MHP-Abspaltung und ihre Vorsitzende Meral Akşener.

Zurück in die 90-er Jahre, als Akşener als Innenministerin hart durchgriff:
Was bedeutet „Schmutziger Krieg“ in der Türkei?

Er bedeutet eine Art Kleinkrieg gegen die PKK und die Kurden, ähnlich einer Besatzungsarmee im Feindesland, mit extrajudikalen Hinrichtungen, Deportationen, der seit der Mitter der 80-er Jahre, die ganzen 90-er Jahre und teilweise bis heute. Es gibt keine offiziellen Zahlen oder Untersuchungen. Die türkische Armee wurde dabei von paramilitärischen Einheiten aus dem Umfeld der MHP unterstützt, und von der offiziellen Politik gedeckt.
Prominente Opfer: Vedat Aydın (1991) und Musa Anter (1992).

Zurück zur Parteipolitik heute: Brüchige Allianzen gegen die AKP, wo z.B. nicht alle Oppositionsparteien Kandidaten aufstellen, um in bestimmten Wahlkreisen einem Oppositionellen den Sieg zu ermöglichen, wie Ekrem İmamoğlu in Istanbul oder Mansur Yavaş in Ankara – beide von der CHP.

Die HDP ist zwar nicht formell verboten, aber praktisch außer Gefecht – auf national-parlamentarischer Ebene.
Wo sie nach wie vor einflußreich ist, sind die Regionalverwaltungen. Dort wurden und werden die gewählten Vertreter abgesetzt und durch Zwangsverwaltungen ersetzt.

Dieses Aushebeln der Demokratie durch Ausnahmeregelungen hat auch mit der Schwierigkeit des Parteiverbots-Verfahrens zu tun.
Seit dem Militärputsch von 1980 wurden alle Parteiverbote, auch die gegen Erbakans verschiedene Parteien, immer vom Militär angeregt und durchgesetzt. Es hätte eine schiefe Optik, wenn die AKP sich jetzt auch dieses Verfahrens bedient.

Die HDP ist nicht nur in den kurdischen Gebieten stark, sondern vor allem in Istanbul, wo 3-4 Millionen Kurden leben. Nur dankt der HDP-Unterstützung konnte İmamoğlu die Bürgermeisterwahl gewinnen.
Erdoğan bzw. die AKP versuchen immer, die Opposition an der kurdischen Frage zu spalten, nach dem Motto „Teile und Herrsche“.
Das ist ihm beim Einmarsch in Nordsyrien vorigen Herbst gelungen – die CHP-Führung unterstützt ihn.
Der rechtskonservative Block ist für jede Partei schwer zu spalten. (Gibt es überhaupt eine Partei, die das wollte?)

Noch einmal zur MHP – auf wieviel Prozent kommt die bei Wahlen? Schwer zu sagen, weil 1. läßt sie sich ihre Koalition mit der AKP nicht in Ministerposten abgelten, sondern die will Schlüsselpositionen in Militär, in der Polizei und im Geheimdienst – die sie auch erhält. Auch so eine Art Blockwarte, Informanten in Stadtteilen und in Dörfern werden häufig mit MHP-Mitgliedern besetzt.
Dafür verzichtet sie auf Aufstellen eigener Kandidaten und ihre Stärke ist schwer einzuschätzen. Max vermutet zwischen 10 & 20 Prozent.
Sie kontrollieren also den Gewaltapparat, und das kann sogar für die AKP einmal zu Scherereien führen.

DIE ARMENIER UND DER VÖLKERMORD
Nach der Ermordung von Hrant Dink 2007 strömten mehr als 100 000 Leute zu dem Begräbnis mit dem Slogan: „Wir sind alle Hrant – wir sind alle Armenier“. Das zeigte zumindest Unzufriedenheit mit der bisherigen Behandlung der Armenier.

Meine Vermutung, Armenier in der Türkei müßten notwendig eher links sein, wurde von Max zurückgewiesen. Er verweist auf den Journalisten Etyen Mahçupyan, der Davutoğlu nahesteht und in AKP-nahen Zeitungen tätig war bzw. ist. Er wurde übrigens nach Hrant Dinks Ermordung dessen Nachfolger als Redakteur der armenisch-türkischen Zeitung Agos.

Es gab einmal eine Phase, in der Erdoğan an einem guten Verhältnis zur EU interessiert und deshalb zu Kompromissen in der Armenierfrage bereit war, aber das war in der Türkei schon aus innenpolitischen Koalitionserwägungen nicht machbar.
Der Politiker Doğu Perinçek von der Eurasier-Abteilung wurde in der Schweiz wegen Genozidleugnung verurteilt, und er ist beileibe nicht der radikalste Gegner der Anerkennung eines Genozids.

Einiges zum GENOZIDBEGRIFF überhaupt
Genozid zum Unterschied von Krieg, wo ja auch massenhaft Menschen umgebracht werden, was aber kein Verbrechen sein darf.
Genos – was ist das?
Die Frage des Vorsatzes

Fortsetzung folgt: Die armenische Problematik und andere Dauerbaustellen der türkischen Politik

Türkei und Ungarn: Ein Vergleich, Teil 2

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Der zweite Teil der Live-Diskussion vom 15.2. 2020

Die Türkei und Ungarn: Ein Vergleich, Teil 1

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Diese ursprünglich als o94 SPEZIAL live am 15.2. 2020 gesendete Diskussion wird hier leicht nachbearbeitet zugänglich gemacht.

Die Türkei – Gespräch mit Max Zirngast, Teil 1

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Die türkischen Parteien und Rechtfertigungsideologien – heute und damals

Max Zirngast arbeite seit einigen Jahren als Journalist, Historiker und Berichterstatter in der Türkei, bis er 2019 unter der – gegenüber Kritikern der türkischen Regierung sehr gebräuchlichen – Anschuldigung der „Unterstützung des Terrorismus“ 2019 verhaftet und erst 3 Monate später wieder freigelassen wurde.

Er und seine Kollegen schrieben auf Englisch für das „Jacobin Magazine“
https://de.wikipedia.org/wiki/Jacobin
https://jacobinmag.com/
und in „Re:volt“
https://revoltmag.org/

Auch ein Buch gibt es von Max:
https://www.morawa.at/detail/ISBN-9783960420606/Solidarit%C3%A4tskampagne/Die-T%C3%BCrkei-am-Scheideweg
Direkt beim Verlag:
https://www.edition-assemblage.de/

Die Parteien und ihre Konkurrenz in der Türkei
AKP, CHP, HDP, MHP
Vom Einparteien- zum Mehrparteiensystem
Die Verfassung von 1960
Arbeiter(innen)-Bewegung – DIP (Arbeiterbewegung der Türkei) und DKP
Die DIP – unabhängig von Moskau und internationalistisch
Nationale Revolution gegen die Kompradorenbourgeoisie

Zurück in die Geschichte. In der Spätphase des Osmanischen Reiches entstand die Frage: Wie weiter? An wem sich orientieren? Frankreich, Deutschland, Rußland?
Die Jungtürken
Der Nationsbegriff im Osmanischen Reich und die Begriffe für Nation & Volk in der türkischen Sprache: millet, halk, ulus.
In diesen unterschiedlichen Begriffen spielt anscheinend die Frage der FÜHRUNG eine wichtige Rolle: völkische Gemeinschaft schön und gut, aber wer schafft an, wo es hin geht?
AKP und Faschisten verwenden „millet“, CHP und HDP „halk“, und Öcalan „ulus“.
(Halkçılık – Populismus, Volksverbundenheit, Volkskunst?)

Die Gemeinschaft wurde und wird auf verschiedene Art beschworen, so z.B. als eine ISLAMISCHE, auch von der AKP: Der Bezug auf die „Umma“, die Gemeinschaft der Gläubigen, war auch ein außenpolitisches Element, mit der Erdogan die Türkei zu einer Führungsmacht in der islamischen Welt machen wollte.
Nach innen war das ein Versuch, die Kurden zu gewinnen, die vor allem Sunniten sind, und zwar der schaafitischen Rechtsschule.
Diese Form der Eingemeindung aller Muslime steht inzwischen nicht mehr auf der Tagesordnung.

Der Militärputsch von 1980 war ein Versuch, Nationalismus und und Islam zu verbinden, als Einheitsfront gegen Kommunismus und Klassenkampf.

Die Religionsbehörde Diyanet und ihre Bedeutung

Religion und Nationalismus bei der MHP: Die einen setzen auf den Islam, die anderen auf vorislamische/heidnische Symbolik, z.B. den Wolf und die Wölfin, als „echtes Türkentum“.
(Eine Parallele zu Ungarn, wo die Jobbik die vorchristlichen Traditionen, den Turul-Vogel und die Árpád-Fahne in den Vordergrund gerückt haben.)
Die CHP als säkuläre Partei hat als Wähler hauptsächlich Aleviten, deren Stellung zum Islam ambivalent ist.

Adnan Menderes, die Demokratische Partei und ihr Sturz – ein dunkler Fleck in der Geschichte der Türkei, den wir hier in diesem Gespräch auch nicht klären konnten.
Das Pogrom von Istanbul und die Vertreibung der Griechen – wurde damit der damalige Finanzsektor in Schwierigkeiten gebracht?

Sprung zurück in die Zwischenkriegszeit: Bankengründung und Parteienfinanzierung. Banken als Motor der Industrialisierung: İş Bankası (Gründung 1924) als Investor verschiedener Industriezweige, mit Staats-Unterstützung.

Die AKP versuchte ursprünglich zweigleisig zu fahren, um möglichst viele Bürger mitzunehmen, sowohl über den Islam als auch über die türkische Identität. Erbakans Vorarbeit.

Das langsame Vordringen der islamischen Karte auf dem politischen Spieltisch nahm mit dem Militärputsch 1980 an Schwung zu – auch, um ein Popuaritätsdefizit der CHP in den ländlichen Gebieten der Osttürkei zu reparieren.

Die Nurculuk-Bewegung, Said Nursî und die Rolle der Gülenisten in der Bekämpfung des Kommunismus in der Bevölkerung der Osttürkei, vor allem unter den Kurden.
Das von Kenan Evren anvisierte – und auch erreichte! – Ziel: eine „unpolitische Generation“

Heraus kam eine islamische Erneuerungsbewegung, die sich auch über die Gülensche Bildungsoffensive im Staatsapparat breit machte.
Die verschiedenen Parteien Erbakans, die auf der Milli Görüs-Bewegung beruhten, und der „weiche Putsch“ gegen ihn mündeten dann 2001 in die Gründung der AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung)
Die AKP machte dann einen Schulterschluß mit liberalen, EU-freundlichen Intellektuellen, um sich der kemalistischen Militärführung zu entledigen.

Das türkische Wahlrecht: Es gibt seit der Verfassung von 1982 („Putschverfassung“) eine 10-%-Hürde für Parlamentswahlen, Splitterparteien haben keine Chance. Damit sollte einer kurdischen Partei der Weg ins Parlament versperrt werden.

Fortsetzung: Die Parteienkonkurrenz der Türkei, die Kurden und die Debatte um den Völkermord

Lateinamerika heute: Bolivien, Teil 3

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Das Verhältnis zu China und die Coca-Pflanze: Gründe, warum die USA nix von der Regierung Morales hielten

Ähnliches wie mit der Tauglichkeit als Markt spielt sich mit den Rohstoffen ab: Wenn die Staaten Lateinamerikas verstärkt nach China und Europa exportieren, so haben die USA das Nachsehen.
Das Lithium Boliviens: Wer darf es abbauen, und unter welchen Bedingungen?
China als Handelspartner: Tauschgeschäfte anstatt Devisenverschuldung

Die Landwirtschaft: Mutter Erde gegen Brandrodung
Einiges zum Coca-Anbau und -Konsum – eine Notwendigkeit der bolivianischen Gesellschaft.
Morales forderte die Anerkennung des Rechts auf Anbau und Konsum in Bolivien – das hätte internationale Konsequenzen, weil alle Coca-Anbauländer könnten so die Entkriminalisierung fordern und die Kooperation mit der US-Antidrogenbehörde aufkündigen oder zumindest modifizieren.
(Wäre der Coca-Anbau und der Kokain-Konsum legal, so gäbe es keine Kokain-Mafia, usw. Die DEA könnte sich nicht mehr in anderen Ländern wie eine Besatzungsmacht aufführen, usw.)

Man merkt: Ein weiterer Grund, warum Morales und die von ihm betriebene Politik die USA sehr störte.

Wie gehts weiter?

Wird aus Bolivien ein lateinamerikanisches Libyen? Werden sich die Putschisten gegenseitig in die Haare geraten? Werden die Putschisten oder die USA eine Rückkehr der MAS, der Partei von Morales, an die Macht dulden? Wird es zu einer militärischen US-Intervention kommen?

Hermschi meint, Bolivien ist ein armes Land.
Was heißt „armes Land“?
Er bezieht sich auf Sozialstaat und Infrastruktur. Das ist beides in Bolivien weit unter dem Niveau von Europa.
Aber: liegt das nur an den fehlenden Mitteln, oder nicht doch an der ganzen Struktur der dortigen Wirtschaft?

Indigene Kultur, Sozialstaat, Infrastruktur – was bleibt von den Leistungen der Morales-MAS-Regierung?

——-

siehe vorige Sendung:

Lateinamerika heute: Bolivien, Teil 2

Lateinamerika heute: Bolivien, Teil 2

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Bibel oder Pachamama? Indigene oder Evangelikale?

Der Widerstand aus Santa Cruz gegen das Programm der MAS – „unsere“ Rohstoffe gehören uns!
Chile als Negativbeispiel für die bolivianische Verfassung und Sozialpolitik, und Erbfeind Boliviens.

Der Putsch als inszenierter „Volksaufstand“ – Ausschluß der Presse. Die internationalen Medien stören sich nicht an diesem Verstoß gegen die sonst so heilige Pressefreiheit.

Conade – Komitees zur Verteidigung der Demokratie wurden gegründet, um dem Putsch den Charakter eines legitimen demokratischen Widerstandes zu geben.
Die Whipala-Fahne als Symbol der indigenen Identität
Diplomatische Verwicklungen der bolivianischen Putschisten – mit Mexiko, Spanien, Kuba, Argentinien

Symbolische und reale Gewalt – Verfassungsverstöße
Die Frage der Religionsfreiheit. Die katholische Kirche und das Bildungswesen.
Gute Ratschläge von Morales an den Papst
Über die Konkurrenz der Religionen – christliche und heidnische – und die ethnologischen Vorstellungen eines Ur-Monotheismus.
Die christlichen Kirchen in Bolivien: Katholische und Evangelikale
Über Propaganda heute: Soziale Medien, deren Reichweite und Grenzen
Was machen diese Evangelikalen eigentlich?
Predigen, und was?
Unterstützen, und wobei?
Illegale Geschäfte, getarnt als Wohltätigkeit oder Frömmigkeit? (Das Scientology-Modell)

Die Evangelikalen laufen scheints – zumindest in Lateinamerika – den traditionellen NGOs den Rang ab, was Schnüffeln, Einmischung, Spionage und Propaganda betrifft.

Ein generelles Problem für die USA mit Regierungen wie der bolivianischen von Morales – aber auch in Brasilien, Venezuela, Argentinien, sogar in Kolumbien – ist, daß sich die Staaten Lateinamerikas um den Aufbau einer eigenen Industrie bemühen und dadurch als MARKT für die USA fraglich werden.
Was man selbst produziert, muß man nicht auswärts einkaufen.
Das zweite ist, daß inzwischen auch China als Lieferant die USA teilweise verdrängt hat bei den Importwaren.

 

Siehe vorige Sendung:

Lateinamerika heute: Bolivien, Teil 1

und die Fortsetzung:

Lateinamerika heute: Bolivien, Teil 3

Lateinamerika heute: Bolivien, Teil 1

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Verfassung und Verstaatlichung gegen kolonialen Dünkel und Weltmarkt

 

I. Der „plurinationale“ – mehrfach nationale – Staat

Die „Nation“ wird in Bolivien als ein Kollektiv definiert, das durch eine kulturelle Identität und auch gemeinsame „soziale Kämpfe“ vereint ist. (Intellektuelle Leistung von Álvaro García Linera, aufgenommen in die Verfassung von 2009.)
Diese Verfassung anerkennt verschiedene Formen des Eigentums: staatliches, privates und kollektives – von Gemeinden oder eben „Nationen“ = Stämmen.
Ebenso wird die Selbstverwaltung anerkannt, und das Recht, die auf dem eigenen Territorium liegenden Ressourcen zu benützen und auszubeuten. Dazu gehört ausdrücklich der Wald, während die Bodenschätze, also was unter der Erde ist, ebenso ausdrücklich staatliches Eigentum sind.
Latifundien werden verboten und niemand darf mehr als 5000 Hektar Boden besitzen – außer denen, die ihn bereits besitzen. Es fand also keine Enteignung statt, aber doch eine Beschränkung des Grundbesitzes.

Damit ist natürlich ein Gerangel entstanden, was beim Urwald besonders heikel ist, weil Bolivien zu einem guten Teil aus Urwald besteht, der niemandem gehört und wo sich verschiedene Leute gerne breitmachen wollen. Siehe auch => Brandrodung.

Außerdem ist gerade um die Frage der Bodenschätze mit der Bourgeoisie von Santa Cruz der Konflikt entstanden und hat sich vertieft, weil die sagen: Warum der Wald ja und das Öl nein? (lokale Ressourcen)

Ein neuerer Rohstoff: das LITHIUM
soll ja einer der Gründe für Unzufriedenheit und Putsch gewesen sein.
Worum geht es da?
Elektroautos, Batterien und die imperialistische Konkurrenz um die Rohstoffe – darf eine deutsche Firma und der bolivianische Staat da die Hand drauf haben?

Die bolivianische Verfassung von 2009 ist öfter mit der jugoslawischen von 1974 verglichen worden, und ihre Schöpfer haben sich dagegen verwehrt und gemeint, nein, sie würden gewisse Fehler nicht machen, bei ihnen seien alle „Nationen“ (es gibt über 30 anerkannte in Bolivien) gleichberechtigt.
Das ärgert natürlich die Oberschicht auch, wenn sie mit ihren ganzen Besitztümern „gleichberechtigt“ mit irgendwelchen Bloßfüßigen am Hochland mit ihren Wellblechhütten sind. Ganz wurscht, was das jetzt praktisch für Folgen hat.

Aber im Grunde ist genauso wie in Jugoslawien erstens ein Kompetenzendschungel und zweitens eine Konkurrenz um die Devisenquellen entstanden.

2. Die umstrittene Wiederwahl – warum eigentlich Amtszeit-Beschränkung? (In Deutschland oder Österreich gibt es das nicht, in den USA schon, wurde dort nach FD Roosevelts Tod eingeführt.)
Menschenrecht gegen nationales Recht in der Frage der Wiederwahl – schöpferische Anwendung der Menschenrechts-Bestimmungen.

3. Rohstoffe als Staatseigentum – gängige Praxis in vielen Industriestaaten.
Russland musste sie nach den wilden 90-er Jahren erst zurückerobern.
Staatsunternehmen haben immer das Problem, Staatsaufgaben aus den Gewinnen finanzieren zu müssen. Diese Summen stehen dann nicht für die Kapitalakkumulation zur Verfügung und bedrohen deshalb die Weltmarktposition des Unternehmens.
Dabei stehen den diversen Regierungen für die Finanzierung der Staatsnotwendigkeiten sowieso nur geringe Einnahmen aus Steuern zur Verfügung.

ROHSTOFFE UND VERSTAATLICHUNGEN IN BOLIVIEN
Der Zinnbergbau. Die Bergarbeitergewerkschaft COB
Die Verstaatlichung des Zinnbergbaus. Ölförderungs-Konzessionen.
Die Entdeckung des Gases und die Entwicklung des internationalen Gasmarktes

4. Finanzierung von Infrastruktur-, Gesundheits- und Sozialprogrammen durch die verstaatlichten Industrien

Fortsetzung:  Lateinamerika heute: Bolivien, Teil 2

Die Türkei, Teil 2: Aufbruch zu neuen Ufern? Der Neo-Osmanismus

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Turgut Özal und seine Weichenstellung für die heutige Politik

Grenzrevisionen, wie von der EU in Jugoslawien angeleiert, sind seither – 1991 – kein Tabu mehr.
Die Armee und die Rüstungsindustrie der Türkei: Gerüstet für Grenzrevisionen

Die Türkei und die NATO. Frontstaat. Kubakrise.
Die Rolle des türkischen Militärs im Laufe der Zeit
Die Gülen-Bewegung – nützliche Idioten oder gescheiterte Putschisten? – die auf jeden Fall inzwischen ausgedient haben für den Plan von türkischer Größe.
Ex-Dschihadisten als neue Stoßtrupps für Expansion? – auch hier der Versuch einer Instrumentalisierung, der nach hinten losgehen kann.

Das irakische Kurdistan – US-Stützpunkt, der die Kurdengebiete in Syrien für die USA überflüssig macht. Das war offenbar schon länger mit der Türkei abgesprochen.

Noch einmal zu Gülen und seinen Anhängern – harmlose Bildungs-Verbreiter oder Vollstrecker von Staatszwecken?
Personenkult versus Nation, oder als Ergänzung zu ihr?

Über die Trennung von Staat und Religion, und Mißverständnisse bezüglich Kopftüchern: Es geht darum, welchem Staat man sich zugehörig fühlt, und nicht um das Kleidungsstück.
Der sunnitische Islam – schwer kontrollierbar. Islamgesetz, Bosnien. Versuch des Aufbaus einer eigenen islamischen Religionsbehörde und einer Kontrolle über die Prediger.
Das Beispiel Spaniens, das damit ziemliche Schwierigkeiten hat. Oder Saudi Arabien, oder Rußland.
Religion, Loyalität, Nationalbewußtsein – woran bemißt sich das?

 

Der erste Teil dieser Sendung findet sich hier:

Was will eigentlich die Türkei? Was ist die Staatsräson dieses Staates?

Die Türkei heute, Teil 1

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Überarbeitete Wiederholung der Sendung vom 9.11./O94SPEZIAL

Zur Einleitung ein Überblick über die 3 VERTRAGSWERKE, die zur heutigen Türkei geführt haben.

1. Der Vertrag von Sèvres (1920): Zerschlagung des Osmanischen Reiches, Beschränkung auf einen Teil Anatoliens, eigene Staaten für Armenier und Kurden, Besatzungsregime für die Küstenstreifen und die Meerengen

2. Der Vertrag von Lausanne (1923): Anerkennung der militärischen Erfolge der türkischen Armee, Festlegung der Grenzen der heutigen Türkei (Ausnahme: Sandschak von Alexandrette, als Provinz Hatay 1938 aus dem französischen Mandatsgebiet annektiert) – die Türkei wird von den Siegermächten des I. Weltkriegs als Machtfaktor in der Region anerkannt. Die Kontrolle über die Meerengen bleibt aber in der Hand der Siegermächte.

Der Vertrag von Montreux (1936): Er stellt erst die vollständige Souveränität der Türkei her. Sie erlangte damit die Kontrolle über die auf ihrem Territorium befindlichen Meerengen.
Das war der Preis, den GB und Frankreich zahlten, um die Türkei von einer Allianz mit Hitlerdeutschland abzuhalten.

– Einschub: Diese Souveränität der Türkei über die Meerengen hat auch seine Rolle im Ossetienkonflikt 2008 gespielt – da ist den USA klargemacht wurden, daß die Türkei kein reiner Befehlsempfänger von USA oder NATO ist –

—-

Die KURDEN als ungeliebte Minderheit – ein Ergebnis des Vertrags von Sèvres und der nationalstaatlichen Ausrichtung der Türkei. Die Kurden werden als Gefahr für die nationale und territoriale Einheit der Türkei wahrgenommen.
Staatsvolk, Träger der Nation versus Minderheiten – ein Evergreen der Innenpolitik vieler Staaten, nicht nur der Türkei.
Die PKK, Öcalan und Syrien
Die Kurdengebiete im Nordirak – bereits seit dem Irak-Krieg 1991 lange Zeit ein Ärgernis für die Türkei
Die Türkei als Faktor in der möglichen Neuordnung Syriens und als Ärgernis für die NATO

NATION und RELIGION im Wechselspiel in der Geschichte der Türkei
Die Religionsbehörde Diyanet
Der Militärputsch von 1980 und die NATO
Necmettin Erbakan und Milli Görüs: Die Entdeckung der türkischen Diaspora als außenpolitische Waffe – die türkischstämmige Bevölkerung Europas als Agenten der türkischen Außenpolitik

STAAT und RELIGION: Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist – eine sehr interpretationsbedürftige Gebrauchsanweisung: Was ist wessen?
Wenn sich ein Staatswesen der Religion bedient für seine Ziele, hat es immer das Risiko, daß die Religiösen sich auch gegen diese Saatsgewalt kehren können – siehe USA und Al Qaida.

Das SELBSTBESTIMMUNGSRECHT DER VÖLKER – ein Dauerbrenner der imperialistischen Politik – das wird angewendet, wie es den derzeitigen Großmächten eben gerade in den Kram paßt.
Beispiele: Jugoslawien, Österreich-Ungarn, Entkolonialisierung nach 1945 –
Das Prinzip steht dem der „territorialen Integrität“ und der „Unveränderlichkeit der Grenzen“ gegenüber und beide Prinzipien werden eben immer genau so eingesetzt, wie es gerade genehm ist.

Zurück zur Türkei – Selbsterhalt gegen Expansion

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Bei der Sendung selbst wurde folgende Musik gespielt:

Sakina Teyna: Usar (von „Sakina & Friends: Longing“, 2019)
Zeynel Kahraman: Cura-Instrumental (von „Kurdische Barden – Musik aus Dersim“)
Grup Yorum: Sen Varsin Ya (von „Ille Kavga“)
Sakina Teyna: Rojavayê Dilê Min (von „Sakina & Friends: Longing“, 2019)
H. & G. Türkmenler: Taksim (von: Songs And Dances from Turkey)

Für die Archivierung wurde sie gestrichen, um den Download zu ermöglichen.

Fortsetzung: https://cba.fro.at/438577

 

Lateinamerika heute: El Salvador, Teil 2

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– ökonomisch ziemlich am Sand

Über brachliegendes Land, Auslandsüberweisungen und Handelsbilanzdefizit
Chinas Pläne
Sonderwirtschaftszonen?

Die Landwirtschaft in El Salvador: Lebensmittelimporte und Kaffeeplantagen mit Problemen
Der Kaffeemarkt. Robusta und Arabica. Der Kaffeerost.

Einiges zur Entwicklung der Agrarexporte – bis zur Weltwirtschaftskrise 1929 ff. ein gutes Geschäft.

Die Eingeborenen, die sich nicht als solche bezeichnen dürfen – Lebensgefahr!

Alphabetisierung – in Ländern wie El Salvador kein Thema. Auch die UNO wird da nicht tätig.

Glyphosat-Verbot wegen zahlreichen Todesfällen wegen Nierenversagen – aber auch wegen fallender Weltmarktpreise für Agrarprodukte und hoher Kosten für Pestizide.

El Salvador: Recht dicht besiedelt für die Gegend.
Tourismus kommt – surprise, surprise! – auch nicht so recht auf Touren.

Anerkennung und Fallenlassen Taiwans als mögliche Geld- oder Investitionsbeschaffung für Staaten ohne nennenswerte ökonomische Perspektiven.

Reis aus China für hungernde El Salvadorianer – das Land in El Salvador dient der Ernährung der Bevölkerung NICHT.

Die Medien in Bezug auf Staaten wie El Salvador – kein Thema und kein Ruhmesblatt für die westliche Welt. Weitverbreiteter Analphabetismus, stagnierende LW-Produktion, Kriminalität und Perspektivenlosigkeit – darüber wird gerne der Mantel des Schweigens gebreitet.

Castro und die Kubanische Revolution – sehr populär in Mittelamerika.
Man soll sich da nicht täuschen lassen, wenn die OAS oder Regierungen Anti-Kuba-Resolutionen verabschieden: Unter den Massen Lateinamerikas ist Castro so etwas wie der liebe Gott und Kuba ein Modell, von dessen Leistungen sie in ihren shitholes (Trump) nur träumen können.

Kuba hatte allerdings bereits vor der Revolution eine weitaus prosperierendere Ökonomie als die meisten Staaten Mittelamerikas: Tourismus, Lebensmittel- und Tabakindustrie, und damit auch eine Basis, auf die man etwas bauen konnte.

Abschließend: Das Elend in El Salvador ist eine Folge des Privateigentums, und seiner Vermehrung – es liegt weder am Klima, noch an der Mentalität, noch am Kolonialismus.

Über Daniel Viglietti und Uruguay – Teil 2

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Daniel Viglietti und Uruguay
Ein politischer Liedermacher – gemeinsam mit Monika Heller

Über die Verschwundenen und das Verschwindenlassen, anläßlich des Liedes „Otra Voz Canta“ – Eine andere Stimme singt mit )von Circe Maja)

Über die Schönheit der Unregelmäßigkeit

Von der Niederlage der Tupamaros zur Frente Amplio – Breite Front, der derzeitigen Regierungspartei

Über Roque Dalton, einen Dichter aus El Salvador, und die Fähigkeit, überall etwas Schönes zu sehen. Das Große Morden in Salvador.

„Was würde der Papst sagen?“ von Violeta Parra. Über die Theologie der Befreiung und ihre Bekämpfung.2 Gedichte von Nicolás Guillén.  Ein weiteres Kinderlied

Die Dichtung Vigliettis, Zweideutigkeiten, seine Tätigkeit fürs Radio und die Sammlung von Folklore.

 

Vollständige Sendung auf Stereo: https://cba.fro.at/430516

Über Daniel Viglietti und Uruguay – Teil 1

 

 

Über Daniel Viglietti und Uruguay – Teil 1

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Daniel Viglietti und Uruguay
Ein politischer Liedermacher – gemeinsam mit Monika Heller

Daniel Viglietti, ein Vertreter des „Neuen Liedes“ und Anhänger der uruguayischen Studenten- und Arbeiterbewegung. Die Geschichte Uruguays. Das „Neue Lied in Lateinamerika – Solidarität mit den Ureinwohnern und Landlosen. Latifundienwirtschaft. Das Lied: „Weg mit den Zäunen!“

Gewerkschaften. Tupamaros. Über die Stadtguerilla.
Vigliettis Verhaftung und Exil. Die Militärdiktaturen in Uruguay und Argentinien

Vollständige Sendung auf Stereo: https://cba.fro.at/430516

Teil  2: https://cba.fro.at/430674

 

Lateinamerika heute: El Salvador, Teil 1

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Ort des Schreckens: Großgrundbesitz, Elend, und Banden

Rund um den Kaffeeanbau und -export entwickelte sich die Elite El Salvadors, und sie achteten auf ihre Einkommensquelle insofern, als sie sich nach und nach alles brauchbare Land für die Kaffee-Plantagenwirtschaft unter den Nagel rissen.

Das Mißverhältnis zwischen Armut und Reichtum mündete, verstärkt durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise, 1931/32 in einem von der kommunistischen Partei El Salvadors angezettelten und dann von den landlosen Bauern weitergetriebenen Aufstand.

Bei der Niederschlagung des Aufstandes wurden Zehntausende von Menschen ohne irgendein Verfahren getötet. Dieses Vorgehen, das in El Salvador als „La Matanza“ bezeichnet wird – Das große Morden – kam ganz ohne irgendwelche Beweise oder Rücksichtnahme aus.

Noch einiges zur Rolle der Kirche und dem Aufräumen gegen die Befreiungstheologie unter dem polnischen Papst, der sich die Bekämpfung des Kommunismus auf die Fahnen geschrieben hatte und dabei sehr erfolgreich war. Die Ermordung Romeros und vieler anderer.

Die Investitionen Chinas in Lateinamerika und die Theorie der 3 Welten.

Der Krieg der 100 Tage.
Die Contras und die Banden

 

Lateinamerika heute: Ecuador, Teil 2

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Ecuador und Kolumbien. Grenzfragen. Grundeigentum. Die Indigenen und die Turcos

Die Einführung des Dollars in Ecuador hat auch den Handel mit Kolumbien zurückgehen lassen, weil die ecuadorianischen Waren jetzt zu teuer sind, sodaß es inzwischen einen eher einseitigen Shopping-Tourismus nach Kolumbien gibt.

— Exkurs: Kolumbien ist ein relativ erfolgreicher Kapitalstandort geworden, weil es erstens rücksichtslos gegen Umwelt und Bevölkerung vorgeht – Verschmutzung und Vertreibung sind dort gang und gäbe – und zweitens nie mit der Verschuldungsproblematik zu kämpfen hatte, weil es nie Kredit erhielt. —

Migration und Tourismus als zusätzliche Einnahmequellen Ecuadors.
Der Kampf um die Macht – turbulente Präsidentenwechsel in der Geschichte Ecuadors. Von Eloy Alfaro bis Jamil Mahuad
Die Indigenen und ihre Verbände. Die Protestkultur in Ecuador – lebhaft und mit großer Beteiligung.
Rafael Correa – Anhänger der „Theologie der Befreiung“. Deren Ursprünge und Verlaufsformen.

Wem gehört das Land?

Wenn im Verfassungsprojekt Correas steht, daß er Lebensmittelsicherheit erreichen will, aber gleichzeitig keine Grundbücher existieren und die meisten Bauern gar keinen Rechtstitel auf das Land haben, das sie bestellen – wie soll diese „Sicherheit“ zustande kommen?

Die Einbeziehung der Landbevölkerung in die Machtkämpfe, die in Ecuador üblich ist, beruht auf deren prekären Status als Besitzer des von ihnen genutzten Landes. Das geschieht mittels Versprechungen und Stimmenkauf, der meistens in – sehr bescheidenen – Naturalzuwendungen besteht.

Wenn bei Wahlen in Lateinamerika – und anderswo – mit Stimmenkauf und Wahlfälschung der in den USA und der EU geschätzte Kandidat, also der „Richtige“ an die Macht kommt, so wird übrgens nie nachgeschaut, ob es da mit rechten Dingen zugegangen ist.

Das Klientelwesen, das sich um wohltätige Regierungen entwickelt, unter den gegebenen wirtschaftlichen Bedingungen in Ecuador.

Kampf um die Meinungsbildung zwischen staatlichen und privaten Medien. Das kennt man ja nicht nur aus Ecuador. Die Pressefreiheit ist stets ein beliebtes Thema, wenn gegen eine mißliebige Regierung Stimmung gemacht werden soll.

Über Verfassungen und deren Überschätzung – sie können jederzeit bei den entsprechenden Kräfteverhältnissen geändert werden.

Ecuador und Julian Assange – warum erhielt er Asyl zu Zeiten Correas, warum wurde es von dessen Nachfolger Lenin Moreno aufgekündigt?
Der außenpolitische Kurs Correas wurde von seinem Nachfolger negiert.
Das Zerwürfnis mit Assange geht aber schon auf die Regierungszeit Correas zurück und hängt mit den Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens zusammmen, und der Parteinahme von Wikileaks für selbige.

Die „Turcos“ – Nachfahren der Einwanderer aus dem Nahen Osten, Vertreter der Geschäftswelt und des Liberalismus. Eher Vertreter der städtischen Bevölkerung, hin und wieder etwas korrupt … (Menem in Argentinien, Bucaram, Mahuad in Ecuador)

Grenzkonflikte: Ecuador ist klein und schwach, Peru und Kolumbien respektieren die Grenzen nicht immer.
Grenzgebiete – exterritoriale Zonen, die dem Gewaltmonopol des ecuadorianischen Staates – und vermutlich auch der Nachbarstaaten – gar nicht unterstehen. Dort bestimmen Schmuggler, Drogenhändler und Guerilla miteinander und gegeneinander, was gerade Sache ist.
Das ist auch das Gebiet, wo 2008 der kolumbianische Guerillaführer Raúl Reyes mit verschiedenen anderen Leuten durch Luftangriffe umgebracht wurde.

Noch einmal zurück zu den Eingeborenen/Indigenas: Wem gehört das Land? Wie kommt das Grundeigentum zustande? Die Nachfahren der Ureinwohner sind rechtlos, das Land gehört ihnen nicht. Sie können jederzeit vertrieben werden, wenn es wichtigere Akteure gibt, die auf das Land Anspruch erheben: Ölgesellschaften, United Fruit usw.
In Ecuador sind ca. 8% der Bevölkerung Indigene, die ständig um ihre Existenzgrundlage zittern müssen.
Es finden sich auch Organisationen und Politiker, die diese Bauern mit unsicheren Besitztiteln für sich einspannen, und das macht die Politkultur Ecuadors aus.

 

Der erste Teil der Sendung ist hier archiviert:

Lateinamerika heute: Ecuador, Teil 1 – Die Banane

Lateinamerika heute: Ecuador, Teil 1 – Die Banane

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Über die Bedeutung der Banane bei Produktion, Export und Konsum weltweit

Was Ecuador und uns verbindet: DIE BANANE
Wie kommt die Banane zu ihrer Karriere? Also wie gelangt sie erstens nach Lateinamerika, und zweitens von dort in die USA und nach Europa?
Was hat die Banane für eine Bedeutung in den Produzentenländern?
Die United Fruit-Company als Wegbereiter für Hinterhöfe und Bananenrepubliken

Exportabhängigkeit von einem Produkt macht ein Land erpreßbar, weil es auf die Devisen angewiesen ist, um notwendige, im Land selbst nicht hergestellte Güter importieren zu können.

Die Banane wird in den Produzentenländern auf vielfältige Art zubereitet und verzehrt: Grüne Bananen enthalten mehr Stärke, reife Bananen mehr Zucker.
In Ecuador wird sie für die Schulspeisung eingesetzt.

Die Banane in Europa: unökologisches Massen-Nahrungsmittel mit ideologischem Beigeschmack: Die Banane als Symbol des Freien Westens, des Konsums, der Globalisierung und des angeblichen Wohlstands

Die Banane kam vermutlich mit dem Marshall-Plan, als Bote des Wiederaufbaus und der Westorientierung. Daher ist auch klar, warum die gesicherte Bananenversorgung nicht nur ökonomisches Interesse der Bananenfirmen, sondern auch das politische ihrer Aufsichtsmächte ist.

Der Bananen-Weltmarkt: gewaltig gewachsen seit dem Fall des Eisernen Vorhangs.
Auch die Frage der Produktionskosten ist zu beachten. Die Bananen-Arbeiter haben geringe Löhne – sowohl die Gärtner und Pflücker in den Herkunftsländern, als die Transportarbeiter und die Bananenreifer in den USA und Europa. Und die Produzentenstaaten dürfen keine oder nur geringe Ausfuhrzölle einheben, sonst drehen die großen Firmen dem Staat den Rücken und gehen in einen anderen Staat, der genauso auf die Bananenproduktion angewiesen ist.

Ein guter Teil der Infrastruktur Ecuadors hat sich entlang des Bananenexports entwickelt. Alle wichtigen Straßen führen mehr oder weniger nach Guayaquil, das der große Verladehafen für die Bananen ist.
—–

Der zweite Exportschlager Ecuadors ist das Öl.

Das wird inzwischen – seit 1989 – von der staatlichen Firma Petroecuador gefördert und diese neue Devisenquelle diente Anfang der 90-er Jahre zu einer Liberalisierung des Banksektors, was zunächst zu einem Boom führte und Ende 1999 in einer Art Staatsbankrott mündete.

Das führte dann zur Einführung des Dollars.

 

Öl, Dollars und Souveränität

Über den begrenzten Spielraum des Politik-Machens

Der Dollar als Währung Ecuadors, die von einer anderen Macht kontrolliert wird.
Im Verfassungsprojekt Rafael Correas wird diese Einschränkung der Souveränität nicht zur Sprache gebracht und auch sonst wird nirgends von maßgeblicher Stelle die Währungspolitik und Fremdwährung diskutiert.

Die Aufgabe der ecuadorianischen Nationalbank besteht also darin, den Umlauf einer Fremdwährung im Land zu kontrollieren.
Die ecuadorianischen behörden dürfen anscheinend nur kaputte Scheine ersetzen. Außerdem sind die großen Banknoten genehmigungspflichtig, die werden nicht frei ausgegeben.

Einiges zum Erdöl – dessen Gewinnung verschmutzt und zerstört die Lebensgrundlagen der Bewohner der Gegenden, wo es abgebaut wird.

Der Bankrott Ecuadors nötigte viele Ecuadorianer zur Emigration. Ca. 2 Millionen verließen das Land, und gingen vor allem nach Spanien, das damals wegen des Immobilienbooms Arbeitskräfte in der Bauindustrie brauchte.

Die Turbulenzen rund um die Einführung des Dollar. Die Inflation des Sucre. Der Umwechselkurs Euro-Sucre – 1 $ für 25.000 Sucre – eine starke Einschrnkung der Konsumtionsmöglichkeit, d.h., eine Verarmung der ganzen Bevölkerung.

Die Fortsetzung dieser Sendung ist archiviert unter:

Lateinamerika heute: Ecuador, Teil 2

45 Jahre nach der Nelkenrevolution: José Afonso, Teil II

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Über die Diktatur Salazars, den Estado Novo, das portugiesische Kolonialreich und die Rolle der Musik während und nach dem Faschismus in Portugal.

Die Vorstellungen José Afonsos, soweit sie sich aus seiner Musik erschließen lassen, anhand der Lieder

Grândola, Vila Morena
Chula da Póvoa
Alípio De Freitas
Com As Minhas Tamanquinhas
Achégate a mim, Maruxa
De Sal de Linguagem Feita
De não saber o que me espera
Quem diz que é pela rainha
Enquanto Há Força

von Platten aus den Jahren 1971-1979.

45 Jahre nach der Nelkenrevolution: Über den portugiesischen Sänger José Afonso, mit dessen Lied „Grândola Vila Morena” am 25. April 1974 alles anfing. Teil I

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Was geschah in der Nelkenrevolution 1974 ff.? War das eigentlich eine Revolution?

Über die Diktatur Salazars, den Estado Novo, das portugiesische Kolonialreich und die Rolle der Musik während und nach dem Faschismus.

Die Vorstellungen José Afonsos, soweit sie sich aus seiner Musik erschließen lassen, anhand der Lieder

Cantigas do Maio
Senhora Do Almortão
Canto moço
Víra de Coimbra
Milho Verde
Fura Fura
Rio largo de profundis

von Platten aus den Jahren 1970-1981.

—————————-

Teil 2:

45 Jahre nach der Nelkenrevolution: José Afonso, Teil II

 

Lateinamerika heute: Venezuela, Teil 2 – Musikversion

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Anerkennungspolitik als Griff nach der Weltherrschaft

Die Annerkennung eines selbstproklamierten Präsidenten gegenüber dem rechtmäßig gewählten durch USA und EU gibt zu denken: Von nun an kann jeder Regierung die Legitimität abgesprochen werden, die einer oder der anderen Macht nicht genehm sind – auch innerhalb der EU.

Der bolivarianische Prozeß: Kriege und Generationen.
Hugo Chávez war überzeugt, daß die „Imperien“ – Europa und die USA Kriege wegen des Besitzes der Ressourcen anzetteln werden, die sich zu einem Weltkrieg ausweiten würden, weil sie ihren Machtverlust gegen befreite Völker nicht hinnehmen würden.
Noch bevor Chávez an die Macht kam, 2 Jahre nach dem Caracazo von 1989, wurde bereits in Venezuela gegen den Irak-Krieg von 1991 protestiert, der als Teil dieses Feldzuges um die Ressourcen interpretiert wurde.

Man merkt auch, wie die Bürger dieser „Imperien“ deren Politik unterstützen, wenn sie sich aufregen über fremde Herrscher, die sie eigentlich gar nichts angehen. Damit stellen sie sich inhaltlich hinter ihre Regierungen bei deren Einmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten.

Die „humanitäre Hilfe“ – ein unglaubliches Theater, mit dem die Einmischung in die Angelegenheiten Venezuelas gerechtfertigt wird. Keine international anerkannte Organisation hatte damit etwas zu tun – weder die UNO oder eine ihrer Unterorganisationen, noch das Rote Kreuz. Das kam über USAID, eine CIA-Unterorganisation.

Die Negierung des Völkerrechts und der UNO ist bemerkenswert, und die Propaganda, die sehr kriegsträchtig ist.

Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den USA & Kolumbien. Ernennung neuer Botschafter durch Guaidó – wem gehören die Immobilien der Auslandsvertretungen? Alle diplomatischen Gepflogenheiten werden aufgekündigt.

Aber auch Bolivien lebt seit 10 Jahren ohne diplomatische Beziehungen mit den USA, und ohne besondere Schwierigkeiten.
– Einschub: Anekdote zu Bolivien und einem US-Agenten im Präsidentenpalast, neben dem Büro des Präsidenten – der mußte gehen, vielleicht deshalb der Abbruch der diplomatischen Beziehungen …

Die USA sagen inzwischen recht ungeschminkt, daß sie Lateinamerika als ihren Hinterhof betrachten und gegen alle Staaten vorgehen werden, die sich dem nicht fügen.

Im Grunde streben die USA heute mehr denn je die Weltherrschaft an und wollen sich die Bürger anderer Länder untertan machen – diejenigen Lateinamerikas wie auch die der EU.

Hugo Chávez hat das vorausgesehen, meint Zoraida. Er hat seine Gedanken auch schriftlich niedergelegt:
„Cuentos del Arañero“ – Geschichten vom Waldsänger (eine Vogelart), über seine Kindheit und Jugend, wo er als Kind durch den Verkauf von Süßigkeiten auf Märkten zum Einkommen der Familie beitrug.
Auch andere Bücher gibt es von ihm, über Simón Bolívar und über die Frauen in Venezuela, aber die sind vielleicht ins Englische, nicht jedoch ins Deutsche übersetzt.

Zum Abschluß noch einige Worte über Kuba als Vorbild für ganz Lateinamerika: Trotz aller Versuche der Invasion, Isolation, Blockade, Verleumdung ist es nicht gelungen, Kuba in die Knie zu zwingen.

Es gibt übrigens auf meinem Blog verschiedene Artikel zu Venezuela und anderen lateinamerikanischen Ländern.
http://nestormachno.blogsport.de/2018/09/04/serie-lateinamerika-heute-teil-3-venezuela/
http://nestormachno.blogsport.de/2019/01/27/imperialismus-heute-2/
http://nestormachno.blogsport.de/2019/02/14/humanitaere-hilfe/
usw.

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Lateinamerika heute: Venezuela, Teil 2, Downloadversion: Anerkennungspolitik als Griff nach der Weltherrschaft

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Die Annerkennung eines selbstproklamierten Präsidenten gegenüber dem rechtmäßig gewählten durch USA und EU gibt zu denken: Von nun an kann jeder Regierung die Legitimität abgesprochen werden, die einer oder der anderen Macht nicht genehm sind – auch innerhalb der EU.

Der bolivarianische Prozeß: Kriege und Generationen.
Hugo Chávez war überzeugt, daß die „Imperien“ – Europa und die USA Kriege wegen des Besitzes der Ressourcen anzetteln werden, die sich zu einem Weltkrieg ausweiten würden, weil sie ihren Machtverlust gegen befreite Völker nicht hinnehmen würden.
Noch bevor Chávez an die Macht kam, 2 Jahre nach dem Caracazo von 1989, wurde bereits in Venezuela gegen den Irak-Krieg von 1991 protestiert, der als Teil dieses Feldzuges um die Ressourcen interpretiert wurde.

Man merkt auch, wie die Bürger dieser „Imperien“ deren Politik unterstützen, wenn sie sich aufregen über fremde Herrscher, die sie eigentlich gar nichts angehen. Damit stellen sie sich inhaltlich hinter ihre Regierungen bei deren Einmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten.

Die „humanitäre Hilfe“ – ein unglaubliches Theater, mit dem die Einmischung in die Angelegenheiten Venezuelas gerechtfertigt wird. Keine international anerkannte Organisation hatte damit etwas zu tun – weder die UNO oder eine ihrer Unterorganisationen, noch das Rote Kreuz. Das kam über USAID, eine CIA-Unterorganisation.

Die Negierung des Völkerrechts und der UNO ist bemerkenswert, und die Propaganda, die sehr kriegsträchtig ist.

Abbruch der diplomatischen Beziehungen mit den USA & Kolumbien. Ernennung neuer Botschafter durch Guaidó – wem gehören die Immobilien der Auslandsvertretungen? Alle diplomatischen Gepflogenheiten werden aufgekündigt.

Aber auch Bolivien lebt seit 10 Jahren ohne diplomatische Beziehungen mit den USA, und ohne besondere Schwierigkeiten.
– Einschub: Anekdote zu Bolivien und einem US-Agenten im Präsidentenpalast, neben dem Büro des Präsidenten – der mußte gehen, vielleicht deshalb der Abbruch der diplomatischen Beziehungen …

Die USA sagen inzwischen recht ungeschminkt, daß sie Lateinamerika als ihren Hinterhof betrachten und gegen alle Staaten vorgehen werden, die sich dem nicht fügen.

Im Grunde streben die USA heute mehr denn je die Weltherrschaft an und wollen sich die Bürger anderer Länder untertan machen – diejenigen Lateinamerikas wie auch die der EU.

Hugo Chávez hat das vorausgesehen, meint Zoraida. Er hat seine Gedanken auch schriftlich niedergelegt:
„Cuentos del Arañero“ – Geschichten vom Waldsänger (eine Vogelart), über seine Kindheit und Jugend, wo er als Kind durch den Verkauf von Süßigkeiten auf Märkten zum Einkommen der Familie beitrug.
Auch andere Bücher gibt es von ihm, über Simón Bolívar und über die Frauen in Venezuela, aber die sind vielleicht ins Englische, nicht jedoch ins Deutsche übersetzt.

Zum Abschluß noch einige Worte über Kuba als Vorbild für ganz Lateinamerika: Trotz aller Versuche der Invasion, Isolation, Blockade, Verleumdung ist es nicht gelungen, Kuba in die Knie zu zwingen.

Es gibt übrigens auf meinem Blog verschiedene Artikel zu Venezuela und anderen lateinamerikanischen Ländern.
http://nestormachno.blogsport.de/2018/09/04/serie-lateinamerika-heute-teil-3-venezuela/
http://nestormachno.blogsport.de/2019/01/27/imperialismus-heute-2/
http://nestormachno.blogsport.de/2019/02/14/humanitaere-hilfe/
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Lateinamerika heute: Venezuela, Teil 1 – Download-Version

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Über das Glück und Pech, ein Staat mit Ölvorkommen zu sein

Das Venezuela die größten Ölvorkommen der Welt hat, ist erst seit einigen Jahren bekannt. Es ist ein Ergebnis, der Prospektionen, die Venezuela mit Hilfe Rußlands und Chinas durchgeführt hat.
Ölreserven zu haben, ist eine Sache. Sie zu fördern ist eine andere. Noch dazu beseitzt Venezuela ein schwefelhaltiges Schweröl, das schwer zu raffinieren ist. Es bedarf eigener Technologie dafür, und deshalb kann es Venezuela auch nicht überall hin exportieren.

Venezuela forscht auch sehr viel in Sachen Erdöltechnologie, aber oft werden Leute abgeworben, Patente gestohlen oder Programme wegen Geldmangel eingestellt.

Die USA machen viel, um in Sachen Fördertechnologie die Nase vorn zu haben, damit sie auch darüber die Hand auf dem weltweiten Erdölhandel drauf haben können.
Wenn Venezuela oder der Iran – oder Irak? – jetzt solche Technologie in Rußland einkaufen gehen, so ist das ein Durchkreuzen der US-Pläne und sehr kriegsträchtig.

Venezuela hat auch andere Ressourcen, auf die andere scharf sind, wie Gold und Süßwasser.

Venezuela hat einiges an Forschung in Erdöltechnologie geleistet, aber viele Wissenschaftler wurden von US-Firmen abgeworben, die Patente wurden dabei mitgenommen, sodaß die USA die Technologien entickeln konnten und Venezuela leer ausging.

Das Problem der „Ressourcen“ wie dem Öl ist, daß es erstens gefördert und zweitens verkauft werden muß, damit die Bevölkerung des betroffenen Landes etwas davon hat. Unter der Erde hat es keinen Wert. Und verkaufen muß man es ins Ausland, also auch noch transportieren. Im Inland ist es auch wenig wert.

Die USA brauchen das Öl zur Stützung des Dollar und zur Beherrschung der Welt. Je mehr ölproduzierende Länder nach ihrer Pfeife tanzen, um so mehr können sie den Ölhahn auf- und zudrehen und den Ölpreis bestimmen.
Ein weiterer Grund ist die geringe Distanz Venezuelas von den USA. Tanker brauchen viel länger in die Golfstaaten. Also auch um ihrer eigenen Energieversorgung / Energiesicherheit willen möchten die USA gern ihre Hand auf das venezolanische Erdöl legen.
Und nicht nur auf dieses, auch auf andere Ressourcen, über die sie so verfügen wollen, als wären es die eigenen, während eventuelle Umweltschäden woanders stattfinden.

Venezuela wird seit Jahren bestohlen: Die venezolanische Regierung versucht seit Jahren, Medikamente und Lebensmittel weltweit einzukaufen, zahlt im voraus, und die Firmen liefern nicht. Sie wissen, Venezuela hat keine Möglichkeit, seine Interessen durchzusetzen.
Die USA enteignen Citgo, Spanien beschlagnahmt Medikamente nach Venezuela – hier wird klargestellt, eigentum unliebsamer Staaten kann jederzeit enteignet werden.
Guaidó als „anerkannter“ Präsident unterzeichnet in einem fort Eigentumsübertragungen venezolanischen Eigentums an die USA. Damit wird eine Schein-Legitimität für die Enteignung venezolanischen Eigentums geschaffen.

Vorgeschichte: Schuldenkrise, das Caracazo und der Bruch Venezuelas mit dem IWF.

Vergleich Argentiniens und Venezuelas: Inflation, Geldentwertung – beim einen Land spricht es gegen das „System“, beim anderen ist es ein kleiner Betriebsunfall, der von den Medien totgeschwiegen wird.

Der Wille der USA, ihre Hand auf die Energiequellen der Welt zu legen, ist auch bei dem Widerstand der USA gegen North Stream zu beobachten, wo Energie unabhängig von den USA fließen soll.

Lateinamerika heute: Venezuela, Teil 1

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Über das Glück und Pech, ein Staat mit Ölvorkommen zu sein

 

Das Venezuela die größten Ölvorkommen der Welt hat, ist erst seit einigen Jahren bekannt. Es ist ein Ergebnis, der Prospektionen, die Venezuela mit Hilfe Rußlands und Chinas durchgeführt hat.
Ölreserven zu haben, ist eine Sache. Sie zu fördern ist eine andere. Noch dazu beseitzt Venezuela ein schwefelhaltiges Schweröl, das schwer zu raffinieren ist. Es bedarf eigener Technologie dafür, und deshalb kann es Venezuela auch nicht überall hin exportieren.

Venezuela forscht auch sehr viel in Sachen Erdöltechnologie, aber oft werden Leute abgeworben, Patente gestohlen oder Programme wegen Geldmangel eingestellt.

Die USA machen viel, um in Sachen Fördertechnologie die Nase vorn zu haben, damit sie auch darüber die Hand auf dem weltweiten Erdölhandel drauf haben können.
Wenn Venezuela oder der Iran – oder Irak? – jetzt solche Technologie in Rußland einkaufen gehen, so ist das ein Durchkreuzen der US-Pläne und sehr kriegsträchtig.

Venezuela hat auch andere Ressourcen, auf die andere scharf sind, wie Gold und Süßwasser.

Venezuela hat einiges an Forschung in Erdöltechnologie geleistet, aber viele Wissenschaftler wurden von US-Firmen abgeworben, die Patente wurden dabei mitgenommen, sodaß die USA die Technologien entickeln konnten und Venezuela leer ausging.

Das Problem der „Ressourcen“ wie dem Öl ist, daß es erstens gefördert und zweitens verkauft werden muß, damit die Bevölkerung des betroffenen Landes etwas davon hat. Unter der Erde hat es keinen Wert. Und verkaufen muß man es ins Ausland, also auch noch transportieren. Im Inland ist es auch wenig wert.

Die USA brauchen das Öl zur Stützung des Dollar und zur Beherrschung der Welt. Je mehr ölproduzierende Länder nach ihrer Pfeife tanzen, um so mehr können sie den Ölhahn auf- und zudrehen und den Ölpreis bestimmen.
Ein weiterer Grund ist die geringe Distanz Venezuelas von den USA. Tanker brauchen viel länger in die Golfstaaten. Also auch um ihrer eigenen Energieversorgung / Energiesicherheit willen möchten die USA gern ihre Hand auf das venezolanische Erdöl legen.
Und nicht nur auf dieses, auch auf andere Ressourcen, über die sie so verfügen wollen, als wären es die eigenen, während eventuelle Umweltschäden woanders stattfinden.

Venezuela wird seit Jahren bestohlen: Die venezolanische Regierung versucht seit Jahren, Medikamente und Lebensmittel weltweit einzukaufen, zahlt im voraus, und die Firmen liefern nicht. Sie wissen, Venezuela hat keine Möglichkeit, seine Interessen durchzusetzen.
Die USA enteignen Citgo, Spanien beschlagnahmt Medikamente nach Venezuela – hier wird klargestellt, eigentum unliebsamer Staaten kann jederzeit enteignet werden.
Guaidó als „anerkannter“ Präsident unterzeichnet in einem fort Eigentumsübertragungen venezolanischen Eigentums an die USA. Damit wird eine Schein-Legitimität für die Enteignung venezolanischen Eigentums geschaffen.

Vorgeschichte: Schuldenkrise, das Caracazo und der Bruch Venezuelas mit dem IWF.

Vergleich Argentiniens und Venezuelas: Inflation, Geldentwertung – beim einen Land spricht es gegen das „System“, beim anderen ist es ein kleiner Betriebsunfall, der von den Medien totgeschwiegen wird.

Der Wille der USA, ihre Hand auf die Energiequellen der Welt zu legen, ist auch bei dem Widerstand der USA gegen North Stream zu beobachten, wo Energie unabhängig von den USA fließen soll.

 

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Víctor Jara und Chile – Downloadfreundliche Sendung ohne Musik

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Víctor Jara: chilenischer Sänger, Musiker und Theaterregisseur, der am 12. September 1973 verhaftet und am 16. September von Soldaten des am 11. September putschenden Militärs ermordet wurde.
„Barde der Unidad Popular“

Über das Programm der „Revolution in der Legalität“ und wie es dann weiterging

Von Chile hört man wenig. Die ganze Welle der „progressiven“ Regierungen, in die manche Leute große Hoffnungen gesetzt haben, ist abgeebbt. Manche wurden abgewählt, oder sie haben, wie Michelle Bachelet, merklich an Glanz eingebüßt.

Was war das Programm der Volksfront-Regierung, was waren seine Gegner?
Warum wurde gegen Allende geputscht?
Der Kalte Krieg, die Politik des Containment und die Operation „Condor“.
Ein Vergleich Chile-Argentinien in der damaligen Berichterstattung und Flüchtlingspolitik

Die Chicago boys in Chile und ihr Abgang

Chile heute

Lateinamerika heute: Argentinien, Teil 2

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Noch einmal Militärdiktatur, Umgang mit Bankrott und Kreditsperre

Rückblick auf den „Schmutzigen Krieg“:

Der „Schmutzge Krieg“ und die Bekämpfung der Guerilla sind eigentlich nichts Neues oder Modernes, die Methoden sind ziemlich ähnlich seit den Napoleonischen Kriegen. Aber in Argentinien ist es nicht so lange her und viele Leute waren betroffen.

Über Staatskredit und Staatsbankrott: alte Schulden werden mit neuen Schulden bezahlt, der Bankrott Argentiniens war das Vorspiel zur Eurokrise.
Dabei ist der Euro gerade eingeführt worden, als Argentinien krachte!

Schulden müssen gezahlt werden – dieses Dogma wurde von Argentinien durch die Regierungen Kirchner verletzt.

Da aber eine der Säulen des unter Menem/Cavallo mit dem IWF eingerichteten Currency Boards war, als Gerichtsstand für die in New York ausgegebenen Anleihen eben New York als Gerichtsort anzuerkennen, wurde Argentinien dort 2014 zur Zahlung verurteilt.

Diese Zahlung wurde durch die Regierung Macri 2016 anerkannt und ausgezahlt, wodurch die gesamte Altschuld anerkannt wurde. Die Schulden Argentiniens haben sich seit dem Amtsantritts Macris verdrei- oder vierfacht, ohne daß Argentiniens Wirtschaft nennenswert an Fähigkeit gewonnen hätte, diese Schuld auch nur irgendwie zu stemmen.
Seither ist der IWF damit beschäftigt, Geld nach Argentinien zu pumpen, um eine neuerliche Zahlungsfähigkeit zu verhindern.

Die Energiefrage: zuwenig und zuviel Gas
Bezüglich des Agrarsektors eine Rückerinnerung: Argentinien diente als Kornkammer und Lebensmittel-Lieferant Europas nach beiden Weltkriegen.
Was ist eigentlich los, wenn große Flächen für Viehfutter verwendet werden, und gleichzeitig für die Menschen zu wenig zum Essen da ist?

Wie schaut es aus mit der Fischerei?
Argentinien hat viel Meer und Küste, aber kein Kapital, um in den Ausbau der Flotte oder Fischereiindustrie z investieren.

Rinder – rückläufig, Rindfleisch – inzwischen schon fast ein Luxus.

Demos, Polizeiwillkür, Tote – das Umfeld des G 20-Gipfels Ende November 2018.

 

Lateinamerika heute: Argentinien, Teil 1

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Die Militärdiktatur, der Schmutzige Krieg und die Falklands

Neuere Geschichte Argentiniens: Die Militärdiktatur von 1976-83 mit ihren 30.000 Toten und Verschwundenen

Der Schmutzige Krieg – gegen unbrauchbare bzw. unerwünschte Teile der eigenen Bevölkerung.
Seine Wurzeln im französischen Algerienkrieg und in der argentinischen Geschichte.
Zum Algerienkrieg erwähnt Hermschi dieses Buch als ideologische Grundlage des „Schmutzigen Krieges“:
Roger Trinquier
https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Trinquier
und dessen Buch „La guerre moderne“ (Der moderne Krieg), das zum Standardwerk von US-Ausbildungsprogrammen der Bekämpfung der Guerilla gehörte, und Folter, Terror und Verschwindenlassen als Standard-Behandlung der Gegner empfiehlt.
Heinrich erwähnt als Gegenentwurf das Buch Mao Tse Tungs, wie ein Guerillakrieg zu führen sei: „Theorie des Guerillakriegs oder Strategie der 3. Welt“
https://www.amazon.de/Theorie-Guerillakrieges-Strategie-Dritten-Welt/dp/3499108860/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1552573570&sr=8-1&keywords=mao+tsetung+guerillakrieg

Der Falklandkrieg 1982
Wie sich ein von allen Seiten gepäppeltes Regime denkt, hmmm: Jetzt haben wir nach innen aufgeräumt und jetzt können wir auch nach außen offene Rechnungen begleichen!

Verschuldung und Staatsbankrott 2001
Was heißt das, Staatsbankrott? Ist der Begriff überhaupt richtig? Welche Folgen hat das für das betroffene Land? Was heißt das, wenn es sich nicht mehr auf den Finanzmärkten verschulden, keine Anleihen mehr begeben kann?
Was ist eigentlich zu sagen zu dem Wort „Bankrott“, das ist doch auf einen Staat gar nicht anwendbar, weil er sich nicht auflösen kann.

Lateinamerika heute: Argentinien – Datei von 2 Sendungen ohne Musik (downloadfähig)

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Die Militärdiktatur, Der Schmutzige Krieg und die Falklands. Umgang mit Bakrott und Kreditsperre. Neuverschuldung

Neuere Geschichte Argentiniens: Die Militärdiktatur von 1976-83 mit ihren 30.000 Toten und Verschwundenen

Der Schmutzige Krieg – gegen unbrauchbare bzw. unerwünschte Teile der eigenen Bevölkerung.
Seine Wurzeln im französischen Algerienkrieg und in der argentinischen Geschichte.
Zum Algerienkrieg erwähnt Hermschi dieses Buch als ideologische Grundlage des „Schmutzigen Krieges“:
Roger Trinquier
https://de.wikipedia.org/wiki/Roger_Trinquier
und dessen Buch „La guerre moderne“ (Der moderne Krieg), das zum Standardwerk von US-Ausbildungsprogrammen der Bekämpfung der Guerilla gehörte, und Folter, Terror und Verschwindenlassen als Standard-Behandlung der Gegner empfiehlt.
Heinrich erwähnt als Gegenentwurf das Buch Mao Tse Tungs, wie ein Guerillakrieg zu führen sei: „Theorie des Guerillakriegs oder Strategie der 3. Welt“

Der Falklandkrieg 1982
Wie sich ein von allen Seiten gepäppeltes Regime denkt, hmmm: Jetzt haben wir nach innen aufgeräumt und jetzt können wir auch nach außen offene Rechnungen begleichen!

Verschuldung und Staatsbankrott 2001
Was heißt das, Staatsbankrott? Ist der Begriff überhaupt richtig? Welche Folgen hat das für das betroffene Land? Was heißt das, wenn es sich nicht mehr auf den Finanzmärkten verschulden, keine Anleihen mehr begeben kann?
Was ist eigentlich zu sagen zu dem Wort „Bankrott“, das ist doch auf einen Staat gar nicht anwendbar, weil er sich nicht auflösen kann.

Rückblick auf den „Schmutzigen Krieg“:

Der „Schmutzge Krieg“ und die Bekämpfung der Guerilla sind eigentlich nichts Neues oder Modernes, die Methoden sind ziemlich ähnlich seit den Napoleonischen Kriegen. Aber in Argentinien ist es nicht so lange her und viele Leute waren betroffen.

Über Staatskredit und Staatsbankrott: alte Schulden werden mit neuen Schulden bezahlt, der Bankrott Argentiniens war das Vorspiel zur Eurokrise.
Dabei ist der Euro gerade eingeführt worden, als Argentinien krachte!

Schulden müssen gezahlt werden – dieses Dogma wurde von Argentinien durch die Regierungen Kirchner verletzt.

Da aber eine der Säulen des unter Menem/Cavallo mit dem IWF eingerichteten Currency Boards war, als Gerichtsstand für die in New York ausgegebenen Anleihen eben New York als Gerichtsort anzuerkennen, wurde Argentinien dort 2014 zur Zahlung verurteilt.

Diese Zahlung wurde durch die Regierung Macri 2016 anerkannt und ausgezahlt, wodurch die gesamte Altschuld anerkannt wurde. Die Schulden Argentiniens haben sich seit dem Amtsantritts Macris verdrei- oder vierfacht, ohne daß Argentiniens Wirtschaft nennenswert an Fähigkeit gewonnen hätte, diese Schuld auch nur irgendwie zu stemmen.
Seither ist der IWF damit beschäftigt, Geld nach Argentinien zu pumpen, um eine neuerliche Zahlungsfähigkeit zu verhindern.

Die Energiefrage: zuwenig und zuviel Gas
Bezüglich des Agrarsektors eine Rückerinnerung: Argentinien diente als Kornkammer und Lebensmittel-Lieferant Europas nach beiden Weltkriegen.
Was ist eigentlich los, wenn große Flächen für Viehfutter verwendet werden, und gleichzeitig für die Menschen zu wenig zum Essen da ist?

Wie schaut es aus mit der Fischerei?
Argentinien hat viel Meer und Küste, aber kein Kapital, um in den Ausbau der Flotte oder Fischereiindustrie z investieren.

Rinder – rückläufig, Rindfleisch – inzwischen schon fast ein Luxus.

Demos, Polizeiwillkür, Tote – das Umfeld des G 20-Gipfels Ende November 2018.